Bilderweltarchiv 2026

  

Grün ist die Hoffnung

In den Fenstern der Autobahnkirche ist die Farbe Grün die Ausnahme. Sie kommt selten vor und wenn, dann nur in ganz kleinen Splittern. So auch im rechten Seitenstreifen an der Tür Richtung Süden. Ein kleiner grüner Farbklecks, der deshalb umso mehr aus der Fläche mit den blauen Vierecken heraussticht. Man fühlt sich an eine Seite eines fast kompletten Zauberwürfels erinnert, den es zur Zeit des Baus der Autobahnkirche noch gar nicht gab. Ein kleiner grüner Farbklecks, der die Langeweile eines einfachen Gitters durchbricht. Ein kleiner grüner Farbklecks, der eine andere Geschichte erzählt als seine Umgebung. 
Im Volksmund sagt man: »Grün ist die Hoffnung.« Die Farbe Grün steht für das Wachstum in der Natur, für das Aufstrebende von Pflanzen, von der unbändigen Kraft, die es ausstrahlt. Wenn die Natur im vollen Saft steht, wie man so sagt, dann sieht man unendlich viele Grüntöne in der Landschaft. Hildegard von Bingen spricht von der »Grünkraft«, die sich Bahn bricht und nicht aufzuhalten ist.

Mutterglück

Eine Mutter herzt ihr Kind und drückt es fest an ihre Brust. Sie schenkt ihm Geborgenheit und Liebe. Es handelt sich hier um Sara, die ihren einzigen Sohn Isaak im Arm hält, aber das ist zweitrangig. Es könnte ebenso ihre Magd Hagar sein, die Ismael, ihren Erstgeborenen liebkost. Oder jede andere Mutter, die ihr Kind festhält. Diese Darstellungen ähneln sich, weil das Gefühl, von dem sie erzählen, sich ähnelt. Über die Kulturen und Zeiten hinweg ist die Liebe, die eine Mutter ihrem Kind entgegenbringt immer gleich beeindruckend. Das ist nicht einmal etwas besonderes bei der menschlichen Rasse, selbst im Tierreich beobachten wir Mütter, die ganz liebevoll mit ihren Kindern umgehen. Aus der Forschung wissen wir, dass in diesem herzigen Umarmen ganz viele Hormone ausgeschüttet werden, die die Bindung zwischen Mutter und Kind festigen und ihre Beziehung vertiefen - und wichtige Weichen für das weitere Leben stellen. Berührungen und Streicheln gehören ebenso dazu wie Geräusche und Worte, Lieder und Bewegungen.

Hiobs Frau

Wenn wir nach einem Menschen gefragt werden, der viel erdulden musste, dann kommt uns sehr rasch Hiob in den Sinn. Der Teufel wettet mit Gott, dass Hiob seinen Glauben verlieren würde, wenn ihn das Glück verlassen hat. Hiob bleibt aber standhaft, auch wenn er seine ganzen Güter sein Hab und Gut, Haus und Hof verliert und schließlich auch seine sieben Söhne und drei Töchter. Hiob bleibt treu. So weit so gut, aber was ist eigentlich mit Hiobs Frau, die das alles auch erdulden muss? Von ihr ist nicht die Rede, nur einmal wird sie im Buch Hiob erwähnt. Ein Name von ihr ist nicht überliefert.

Der Weinberg des Herrn

Es gibt Bilder, die tauchen in der Heiligen Schrift immer wieder auf. Sie haben einen Bezug zur Kultur des Landes und werden von allen Menschen dort verstanden, weil sie zu den Selbstverständlichkeiten ihrer Kultur gehören. So ist es auch mit einem Weinberg. Der Prophet Elia nimmt immer wieder Bezug auf einen Weinberg, Jesus tut das später auch. Der Weinberg wird dann verglichen mit dem Volk Israel. Ein Weinberg wird angelegt, damit Trauben geerntet werden können, aus denen dann Wein gekeltert wird. Er muss einen bestimmten Ertrag erbringen, damit sich die Arbeit lohnt, die in den Anbau investiert wird. Wie gut ein Weinberg ist, sieht man letzten Endes daran, wieviel Wein produziert wird.

Vergitterte Sicht

Diese Aussicht passt zu der dargestellten Szene. Jesus wird in einem Kerkerverlies gegeißelt, die Schergen gehen ihrem Alltagsgeschäft nach und lassen sich in ihrer Tätigkeit nicht stören. Es wirkt alles sehr düster, es dringt ja auch kam Tageslicht von außen herein. Und wenn man nach außen sieht, dann erkennt man, wenn die Gitter überhaupt etwas durchlassen, einen tiefdunklen Nachthimmel. Das ist die Perspektive aus einem Folterkeller, wie es sie durch die Jahrtausende hindurch bis in unsere Zeit gibt. Dunkle Verliese, in denen Menschen gefoltert und getötet werden, ohne eine Aussicht auf eine freie Sicht, geschweige denn auf Freiheit. Dieses vergitterte Fenster steht für alle Folterkeller der Welt, aus denen nicht einmal mehr die Schreie der Menschen nach draußen dringen. Hier ist keine Taube zu sehen, die die Gitterstäbe durchbricht.

Fleischgewordenes Wort

Der Beginn des Johannes-Evangeliums gehört zu den berühmtesten und am meist zitierten Versen des zweiten Testamentes, wenn nicht der ganzen Bibel: »1 Am Anfang war das Wort; das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott. 2 Der, der das Wort ist, war am Anfang bei Gott. 3 Durch ihn ist alles entstanden; es gibt nichts, was ohne ihn entstanden ist. 4 In ihm war das Leben, und dieses Leben war das Licht der Menschen. 5 Das Licht leuchtet in der Finsternis, und die Finsternis hat es nicht auslöschen können.« (Joh 1,1-5, zitiert nach Neue Genfer Übersetzung) In der katholischen Messfeier wird dieses Evangelium am Weihnachtstag gelesen. Für viele ist das ein Höhepunkt im Kirchenjahr. Dieser poetische Text, der wohl nicht zur Spekulation darüber taugt, wer denn Christus sei, rührt die Menschen an und lässt etwas von dem Geheimnis erahnen, das ihm zugrunde liegt. 

Weise Weihnacht

Der Begriff Weisheit im Zusammenhang mit Weihnachten fällt oft im Zusammenhang mit den Weisen aus dem Morgenland. Sie sind genaugenommen Gelehrte, die den Himmel beobachten und dabei eine besondere Entdeckung machen. Sie machen sich auf den Weg, um ihre Vermutung zu überprüfen und finden das Kind in Bethlehem. Aber Weise in unserem Verständnis sind sie nicht, eher Gelehrte oder Wissenschaftler. Als Weise kommen zwei andere ins Spiel, die wirklich weise, nicht nur aufgrund ihres hohen Alters, sondern auch wegen ihrer Haltung sind. Die Rede ist von Hanna und Simeon, die das Kind im Tempel erwarten und als den Erlöser erkennen.

Dankbarkeit

Was ist »Dankbarkeit«? Ein Wort, das uns schnell über die Lippen kommt, das wir aber nur schwer mit Inhalt füllen können, weil es ganz schnell unser Fassungsvermögen übersteigt. Es gibt Vieles, für das wir dankbar sein können, besonders dann, wenn wir es unverdient und absichtslos erhalten. Da brauchen wir den Satz, mit denen wir Kinder beibringen, dass sie »Danke« sagen sollen: »Und wie sagt man?« Gar nicht bemühen. Für Geschenke sind wir dankbar, wenn sie nicht Teil eines berechnenden Handelns sind. Wir sind dankbar für das Leben schlechthin, denn wir erfahren immer wieder, dass wir es nicht in der Hand haben. Sehr schnell ist etwas passiert, und dann ist das, was selbstverständlich ist, plötzlich ganz anders. Wenn das gut ausgeht, reagieren wir mit Dankbarkeit. Ein Sinnbild für diese Art von Dankbarkeit sind die Hände, die sich nach dem Regen ausstrecken.

Nur was wichtig ist

Der Löwe ist seit alters her das Erkennungszeichen des Markus-Evangeliums. Deshalb steht er auch als geflügeltes Wesen, wie die anderen drei Evangelisten an den großen Betonträgern der Autobahnkirche. Zusammen bilden sie das Fundament und die Stütze dieser Kirche. Alle vier Evangelien sind in der Verkündigung der Kirche gleichberechtigt, das Markus-Evangelium ist das älteste und das kürzeste. Es wurde schon als Passionsgeschichte mit einer langen Einleitung beschrieben. Markus hat aus dem Quellenmaterial einiges ausgewählt, was er zu seinem Evangelium verdichtet hat. Es kommt ihm nicht darauf an, ausführlich zu beschreiben oder zu erklären, warum Jesus so gehandelt hat. Er beschränkt sich auf das Wesentliche und beschreibt dann akribisch genau das Leiden und Sterben des Jesus von Nazareth. Seine Knappheit und Ursprünglichkeit machen den Reiz dieses Evangeliums aus. 

Wachsen nach innen

Der Lebensbaum ist ein beliebtes Motiv von Emil Wachter. Es taucht an der Autobahnkirche im Inneren und vor allem im Außenbereich oft auf. Mit dem Lebensbaum wird eine Verbindung zur Entwicklung von Menschen und ihrem geistigen Wachstum geschaffen. So wie ein Baum im Lauf der Jahre wächst, größer wird und sich verändert, so ist es auch beim Menschen. Wir verändern uns immer wieder. Das geschieht wie beim Pflanzenwachstum ganz langsam, so dass man kaum eine Veränderung im Prozess erkennen kann. Doch mit zeitlichem Abstand wird uns bewusst, was sich in den letzten Tagen, Wochen oder Jahren getan hat. Für diesen Veränderungsprozess steht der Lebensbaum.
Ergebnisse 11 - 20 von 22