Bilderweltarchiv 2026

  

Die Blickrichtung ändern

An der Autobahnkirche sehen wir viele Köpfe, die nach oben schauen, so wie hier an der Elia-Treppe. Das ist in einer Kirche zunächst nicht verwunderlich, denn wir sollen ja diesen Blicken folgen und selbst nach oben, zu Gott, schauen. Man könnte einwenden, dass Gott nicht da oben ist, aber wir verbinden in unserem Denken, dass Gott oben, im Himmel, zu finden sei. Deshalb müssen wir, um Gott zu finden, auch nach oben schauen. 
Doch wer nur nach oben schaut, kommt vom Weg ab, stolpert über einfache Hindernisse und stürzt, wie der Hans-Guck-in-die-Luft ins Wasser und ertrinkt erbärmlich. Wohin also schauen? Der ständige Blick nach unten auf das Smartphone ist genauso wenig hilfreich wie der Blick zum Himmel.

Faszinierend

Die beiden Brüder Jakobus und Johannes stehen da, mit offenen Mündern und aufgerissenen Augen. Sie können ihren Sinnen gerade nicht trauen. Sie verstehen nicht, was sie soeben erleben. Sie sind zusammen mit Petrus und Jesus auf den Berg Tabor gestiegen, ein mühsamer und beschwerlicher Weg. Jesus wird vor ihren Augen in eine strahlende Gestalt verwandelt und trägt herrliche weiße Kleide. Neben ihm tauchen zwei Männer auf, von denen sie sofort wissen, dass es Mose und Elia sind. Jesus unterhält sich mit ihnen, bis eine Stimmer ertönt: »Das ist mein geliebter Sohn, auf ihn sollt ihr hören!« Plötzlich ist alles vorbei, Mose und Elia sind verschwunden, Jesus steht wieder ganz einfach vor ihnen, auch das herrliche Strahlen ist nicht mehr. Ihre erste Reaktion ist, für immer an dem Ort zu bleiben, das Erlebte festzuhalten und drei Hütten zu bauen, was sie dann natürlich nicht tun, denn sie machen sich wieder an den Abstiegt vom Berg Tabor.

Der ausgebrannte Prophet

Der Prophet Elia kann nicht mehr, er ist lebensmüde, ausgelaugt. Er ist mit seinem Auftrag an die Grenzen gegangen und ist ausgebrannt. Der Tod ist der einzige Ausweg, den er für sich noch sieht. So provoziert er seine Ermordung, er kann sich nicht selbst töten. Durch seine prophetische Tätigkeit hat er sich unbeliebt gemacht und viel Unmut auf sich gezogen. Aber was ist aus seinem Selbstvertrauen geworden? Elia ist immer sehr selbstbewusst aufgetreten und hat sich gegen König Ahab, Königin Isebel und die Priesterschaft am Tempel gestellt. Er war sich bewusst, dass er den Finger in offene Wunden legen wird und er hat das ja auch getan. Er wurde deshalb verfolgt, erhielt Morddrohungen, wurde gesellschaftlich geächtet. Nach heutigen Maßstäben ein Mobbing-Opfer par excellence. Aber das hatte er sich ja selbst zuzuschreiben. Jetzt wurde es ihm aber zuviel. Er will nur noch sterben. 

Blutfleck

Wenn wir auf unserer Kleidung einen Blutfleck haben, dann sind wir natürlich nicht sehr erfreut. Einmal davon abgesehen, dass es schwer zu reinigen ist, gibt es irgendwo eine Verletzung, sei es am eigenen Körper oder bei jemand anders. In kriminaltechnischen Untersuchungen ist eine Blutspur auf der Kleidung oft ein Hinweis auf die Täterschaft. Wer so gezeichnet ist, dem helfen auch Unschuldsbeteuerungen nicht. Zumindest die Anwesenheit am oder eine Verbindung zum Tatort ist bewiesen. Wenn die Blutspur sichtbar ist, ist es zu spät, um nach Ausflüchten zu suchen, die (Mit-)Schuld liegt auf der Hand. Zudem wissen wir ja auch, dass Blut ein »ganz besonderer Saft« ist, wie Mephistopheles im Faust bemerkt. Es ist ja der Teufel, der in Märchen und Legenden seine Verträge mit Blut unterschreiben lässt. 

Stellvertretende Fürbitte

Der Heilige Christophorus ist der Patron der Autobahnkirche und neben anderen Schutzpatron der Reisenden. Er gehört zu den vierzehn Nothelfern, die in der katholischen Kirche verehrt und in unterschiedlichen Notsituationen angerufen werden. So wird er an der Christophorus-Stele in der Autobahnkirche angerufen. Der legendäre Christophorus kannte das Leben und wollte dem mächtigsten Herrscher dienen. Nachdem er von einem König und dem Teufel enttäuscht war, suchte er Jesus Christus, um ihm zu dienen. Er trug ihn in Gestalt eines Kindes über eine gefährliche Furt. So wurde ihm auch der Name »Christophorus« verliehen, aus dem griechischen übersetzt: »Christusträger« wird. So hat es Emil Wachter dargestellt. 

Opfer königlicher Willkür

Wer mit einem tyrannisch regierenden Herrscher in Konflikt kommt, hat meist keine guten Karten. Die Geschichtsbücher sind voll von Schicksalen der Unschuldigen, die zu Tode gekommen sind. So auch Nabot, der nicht bereit war, seinen Weinberg dem König Ahab zu verkaufen, der ihn unbedingt haben wollte, um einen Gemüsegarten anzulegen. Nabot weigerte sich, weil er seinen ererbten Familienbesitz nicht weitergeben wollte. Er wird von Königin Isebel durch eine Intrige in eine Falle gelockt und hingerichtet: »12 Die Ältesten riefen die Bürger der Stadt zu einer Bußfeier zusammen und ließen Nabot ganz vorne sitzen. 13 Ihm gegenüber saßen die beiden Schurken. Sie standen als Zeugen gegen Nabot auf und erklärten: ›Nabot hat Gott und dem König geflucht!‹ Nabot wurde vor die Stadt hinausgeführt und gesteinigt. 14 Dann ließen die Ältesten der Stadt Isebel melden: »Nabot ist tot, man hat ihn gesteinigt.« 15 Als Isebel die Nachricht erhielt, sagte sie zu Ahab: ›Auf, nimm den Weinberg in Besitz! Dieser Nabot aus Jesreel, der sich geweigert hat, ihn dir zu verkaufen – er lebt nicht mehr, er ist tot!‹ 16 Als Ahab hörte, dass Nabot tot war, ging er sofort hinunter, um Nabots Weinberg in Besitz zu nehmen.« (1 Könige 21,12-16, Übersetzung Gute Nachricht)

Lass mich doch in Ruhe!

Im Gethsemane-Fenster sehen wir einen Jünger  Jesu, der eingeschlafen ist. Diese Darstellung ist Ausdruck einer Haltung, dass ich mich dem, was mich umgibt, gerne entziehen will. Heute dringt ganz vieles auf uns ein und der erste Wunsch ist der, dass all das ausgeblendet werden kann. Zu einem gewissen Grad ist das möglich, aber auf die Dauer hilft es nicht. Ständig nur schlechte Nachrichten zu hören, macht müde. Immer nur Katastrophenmeldungen zu sehen, raubt die Kraft. Im Beruf und in der Freizeit nur mit Verzweiflung und Schrecken konfrontiert zu sein, lässt uns erschlaffen. 

Dass Gott dreinfahre

In alten, mythischen Schriften finden wir immer Beispiele dafür, wie Götter in den Ablauf der Welt und in das Leben der Menschen machtvoll eingreifen. Im Buch Genesis wird so eine Begegnung zwischen Gott und Abraham beschrieben. Für Emil Wachter war diese Erzählung die Grundlage für die Darstellung am Abraham-Fries: »7 Der Herr sagte zu Abram: ›Ich bin es, der dich aus Ur in Chaldäa geführt hat, um dir dieses Land zu geben, ich, der Herr!‹ 8 ›Herr, mein Gott‹, erwiderte Abram, ›kann ich denn sicher sein, dass ich es je besitzen werde? Gib mir doch eine Bestätigung dafür!‹ 9 Der Herr sagte: ›Bring mir eine dreijährige Kuh, eine dreijährige Ziege, einen dreijährigen Schafbock, eine Turteltaube und eine junge Taube!‹ 10 Abram holte die Tiere, zerteilte jedes der Länge nach in zwei Hälften und legte die Teile einander gegenüber; nur die Vögel zerteilte er nicht. 11 Raubvögel fielen über die Stücke her, aber Abram verscheuchte sie. 12 Als die Sonne unterging, fiel Abram in einen tiefen Schlaf, und eine unheimliche, erdrückende Angst legte sich auf ihn. (...) 17 Als die Sonne untergegangen und es ganz dunkel geworden war, sah Abram auf einmal einen rauchenden Schmelzofen und eine brennende Fackel, die fuhren zwischen den zerteilten Tieren hindurch. 18 Auf diese Weise schloss der HERR damals mit Abram einen Bund und gab ihm die Zusage: ›Deinen Nachkommen gebe ich dieses Land.‹ (Genesis 15,7-12.17-18b, Übersetzung Gute Nachricht)

Bitten und Flehen

Ein Mensch schreit um Hilfe! Es ist die Haltung eines Ertrinkenden, der mit letzter Kraftanstrengung noch einmal die Arme hochreckt und auf sich und seine hoffnungslose Lage aufmerksam macht! Es ist die Haltung, die wir auch mit einem verzweifelten Gebet in Verbindung bringen können. So spricht beispielsweise der Beter aus dem Psalm 121: » 1 Ich blicke hinauf zu den Bergen: Woher wird mir Hilfe kommen? 2 Meine Hilfe kommt vom HERRN, der Himmel und Erde gemacht hat!« (Psalm 121, 1-2, Übersetzung Gute Nachricht) Das ist die gläubige Bitte um Hilfe, die gleich auch eine vertrauensvolle Verheißung ausdrückt, dass Gott eingreifen wird. Diese Glaubensaussage ist aber nicht selbstverständlich, weil es nicht sicher ist, ob Gott wirklich eingreift. Im Gegenteil! Wie oft verhallt ein verzweifelter Hilferuf ungehört? Wie oft wird das Vertrauen in göttlichen Beistand enttäuscht? Da hat dann alles Bitten und Flehen nichts geholfen, das Leben oder Schicksal (oder Gott?) hat erbarmungslos zugeschlagen. Der Hilferuf ist verrauscht und das Leben geht seinen normalen Gang weiter, als ob nichts geschehen wäre. 

Furchtbar grausam

Gibt es etwas Schlimmeres, als über den Tod von Kindern berichten zu müssen? In Nachrichten wird besonders darauf hingewiesen, wenn bei Anschlägen, Kampfhandlungen und bei Naturkatastrophen und Unfällen Kinder ums Leben kommen. Sicherlich wird diese Information eingesetzt, um die Grausamkeit des Angriffs oder deren Unrechtmäßigkeit zu demonstrieren. Das ist auch richtig so. Trotzdem ist es bedenklich, dass der Tod von Erwachsenen fast schon billigend in Kauf genommen wird. Das nur nebenbei.
Der Mord an den Jungen von Bethlehem, der von Herodes angeordnet wurde, um den neugeborenen König als Nachfolger auszuschalten, wird gerne als Paradebeispiel für den Zynismus der Macht hergenommen, der vor dem Tod von Kindern nicht Halt macht. Sie werden hier nicht nur als Opfer in Kauf genommen, sie sind sogar das Ziel des Krieges, denn darum handelt es sich. Herodes führt ihn gegen sein eigenes Volk. Kriege fordern Opfer, jedes Opfer ist eines zuviel. Das wird besonders an den Kindern deutlich, die dabei umkommen.
Ergebnisse 1 - 10 von 22