Gott redet

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In Heiligen Schriften ist oft die Rede davon, dass Gott oder verschiedene Götter zu den Menschen sprechen. Manchmal tun sie das direkt, dann wieder über himmlische Boten oder durch den Mund der Propheten. Besonders im Alten und Neuen Testament finden sich viele Geschichten, in denen göttliche Botschaften von Menschen wahrgenommen werden. So erfährt Mose von Gott den Namen in der Erscheinung des brennenden Dornbuschs, Josef werden im Traum von einem Engel göttliche Botschaften übermittelt. Die drei Jünger Petrus, Jakobus und Johannes erfahren auf dem Berg Tabor durch eine göttliche Stimme, dass Jesus von Gott auserwählt worden ist. Das sind in der Regel knappe Erzählungen, in denen lediglich das Ereignis berichtet wurde, aber nicht, wie sich die Menschen, die diese Botschaften empfangen haben, darauf vorbereiteten. Es mag ja sein, dass wir die Rede Gottes plötzlich vernehmen und verstehen können. Ein Blick in die Geschichte zeigt aber, dass wir erst nach einem langen Übungsweg in der Lage sind, die göttliche  Stimme wahrzunehmen und zu deuten.
Meister Eckhart hat in einem berühmten Satz diesen Übungsweg beschrieben. Er sagt: »Ich will sitzen und will schweigen und will hören, was Gott in mir redet. In der Stille sitzen, weg von allen Ablenkungen gelingt es am besten, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Im Schweigen, das im unbeweglichen Sitzen erst möglich wird, macht man sich los von allem, was man selbst meint, sagen zu müssen. 
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Das Hören wird durch dieses Schweigen erleichtert und geschult. Wer gelernt hat, richtig hinzuhören, kann auch die Geister unterscheiden, und lernt, die Stimme Gottes zu erkennen. Wahrscheinlich müssen wir ein ähnliches Bild gebrauchen, wie das in der Westfront der Autobahnkirche, um das beschreiben, wie wir Gottes Worte vernehmen. Aber das ist dann die leichteste Übung. Schwerer ist das Sitzen, das Schweigen und das Hören.
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Perspektiven öffnen

Eine auf den ersten Blick unverständliche Darstellung am Mose-Fries an der Autobahnkirche. Zwischen Mose und seiner Schwester Miriam findet sich eine Konstruktionszeichnung, in der auf der Fläche ein tiefer Raum aufgezogen wird. Möglich wird das durch die Konstruktion eines Fluchtpunktes, die die Malerei zur Zeit der Renaissance revolutioniert hat. Mit einem Fluchtpunkt erreicht man eine Perspektive und die Fläche bekommt räumliche Tiefe. Es ist der Versuch in der zweiten Dimension das darzustellen, was wir als dreidimensional wahrnehmen. Genau genommen ist es eine Sinnestäuschung. Mit der angeblichen Tiefe gewinnen wir eine neue Perspektive. Die vier Flächen um das Rechteck in der Mitte haben eine Funktion. Durch die leeren Trapeze, die Längs- und Querschraffur wird der Blick automatisch auf die Mitte gelenkt und zwar hinter die Mitte, die man nicht sieht, auf die Linien aber zulaufen. Der räumliche Eindruck wird verstärkt. Der Fluchtpunkt wird zum Fokus, an dem sich alles ausrichtet.
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