Ich will schweigen

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Wir leben in einer ziemlich lauten Welt. Die meiste Zeit sind wir von Geräuschen umgeben. Waren es früher eher die Laute, die die Natur hervorgebracht hat, sind es jetzt zunehmend künstliche Geräusche von Geräten, Motoren, Radios und alle möglichen anderen Geräusche. Wir können fast schon von einer Geräuschverschmutzung sprechen. Wir selbst tragen zu dieser Inflation von Dezibel und Tönen bei, indem wir sehr viel reden. Da nimmt es nicht wunder, dass die Sehnsucht nach Stille immer größer wird und Räume gesucht werden, in denen ich Stille finden und vor allem auch mal schweigen kann. Die Sehnsucht nach Stille steht im Zusammenhang mit einem Bedürfnis, nicht reden zu müssen. 
Wir wissen alle, dass das sehr schwer fällt. Stille auszuhalten gehört mit zu dem schwersten, was wir als moderne Menschen tun können. Wenn es still ist, dann sind wir von nichts abgelenkt. Wir werden eher mit unseren eigenen Antrieben konfrontiert und müssen uns selbst aushalten. Der Griff zum Einschaltknopf am Radio, der Blick auf das Smartphone, oder das Reden mit anderen liegt nahe. Es ist nun aber nicht so, dass Stille passiert oder uns widerfährt. Im Gegenteil! Wir müssen dafür sorgen, dass wir still sind. Das setzt nicht einmal voraus, dass es um uns herum leise ist. Der erste Schritt besteht darin, dass wir uns in die Stille begeben. 
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Meister Eckhart sagt: »Ich will sitzen und will schweigen und will hören, was Gott in mir redet.« Es ist die bewusste Entscheidung zur Stille, zum Schweigen, die Stille erst möglich macht. Ich kann zwar dazu gezwungen werden, aber das ist nicht die Stille, die hilfreich ist. Erst, wenn ich mich ganz bewusst zum Schweigen entscheide, dann kann ich auch dabei bleiben. Zu dieser Entscheidung lädt das Fenster in der Westseite der Autobahnkirche ein. Wenig Ablenkung, konzentriert auf das Licht, das durch die klaren Glassteine hindurch scheint hilft uns, still zu werden und zu schweigen. Man muss es ausprobieren - und aushalten!
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Eine auf den ersten Blick unverständliche Darstellung am Mose-Fries an der Autobahnkirche. Zwischen Mose und seiner Schwester Miriam findet sich eine Konstruktionszeichnung, in der auf der Fläche ein tiefer Raum aufgezogen wird. Möglich wird das durch die Konstruktion eines Fluchtpunktes, die die Malerei zur Zeit der Renaissance revolutioniert hat. Mit einem Fluchtpunkt erreicht man eine Perspektive und die Fläche bekommt räumliche Tiefe. Es ist der Versuch in der zweiten Dimension das darzustellen, was wir als dreidimensional wahrnehmen. Genau genommen ist es eine Sinnestäuschung. Mit der angeblichen Tiefe gewinnen wir eine neue Perspektive. Die vier Flächen um das Rechteck in der Mitte haben eine Funktion. Durch die leeren Trapeze, die Längs- und Querschraffur wird der Blick automatisch auf die Mitte gelenkt und zwar hinter die Mitte, die man nicht sieht, auf die Linien aber zulaufen. Der räumliche Eindruck wird verstärkt. Der Fluchtpunkt wird zum Fokus, an dem sich alles ausrichtet.
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