Zugvogel

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Vögel tauchen in der Bilderwelt der Autobahnkirche immer wieder auf. Die meisten sitzen, ein paar wenige sind im Flug. So auch an der Mosetreppe zur Krypta an der nördlichen Wand. Es ist ein Vogel der unterwegs ist, er fliegt. Da liegt die Vermutung nahe, dass es ein Zugvogel ist, der weite Strecken zulegt, um die Jahreszeiten an unterschiedlichen Orten zu verbringen. Aus Sicht derer, die diese Vögel kommen und gehen sehen, ist ihre Heimat hier, in die sie zurückkehren, wenn es wieder wärmer wird. Aber das ist wie so oft eine Frage der jeweiligen Perspektive. Zugvögel haben keine feste Heimat, im besten Fall sind es zwei Orte, aber es ist schwer zu sagen, wo sie jetzt wirklich hingehören. Selbstverständlich sind sie an beiden Orten Zuhause, Aus Sicht der Sesshaften sie haben etwas Heimatloses an sich, das sie zu Zugvögeln macht, das sie zwingt, immer wieder hin und her zu pendeln. Sie gelten als unstet.
Zugvögel haben eine tiefe Bedeutung für unser Glaubensleben. Wir sind ständig unterwegs, genau genommen haben wir wie sie keine Heimat. Wir ziehen umher, wir fühlen uns eine gewisse Zeit in einem bestimmten Raum wohl, bis der zu eng wird und zu wenig Lebensmöglichkeiten bietet. Da müssen wir weiterziehen. Von echten Zugvögeln unterscheiden wir uns, dass wir immer wieder neue Ziele aufsuchen müssen und selten zwischen zwei gleichen Räumen hin- und herpendeln. Wir sind daheim und wieder auf der Suche, je nachdem, wie wir uns weiterentwickeln. 
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Mit den Zugvögeln verbindet uns, dass wir keine feste Heimat haben, auch wenn wir das noch sehr wollen, wir können sie nicht einholen. Denn sobald wir uns an einem Ort eingenistet haben, werden wir wieder unruhig und suchen nach etwas Neuem. Unsere Sehnsucht, die uns antreibt, können wir nur sehr schwer stillen: Wir brauchen neue Impulse, wir müssen immer wieder aufbrechen, den sicheren Raum verlassen, aus dem vertrauten Nest fliehen und neue Räume entdecken, erkunden und beleben. Gut, wenn wir uns unbefangen wie dieser Vogel in die Lüfte erheben können. Gut, wenn wir dann so entschieden unserer Sehnsucht folgen und unser nächstes Ziel ansteuern. Wohlwissend: Es ist nicht unser letztes!
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Bilderwelt der Autobahnkirche
 
  

Perspektiven öffnen

Eine auf den ersten Blick unverständliche Darstellung am Mose-Fries an der Autobahnkirche. Zwischen Mose und seiner Schwester Miriam findet sich eine Konstruktionszeichnung, in der auf der Fläche ein tiefer Raum aufgezogen wird. Möglich wird das durch die Konstruktion eines Fluchtpunktes, die die Malerei zur Zeit der Renaissance revolutioniert hat. Mit einem Fluchtpunkt erreicht man eine Perspektive und die Fläche bekommt räumliche Tiefe. Es ist der Versuch in der zweiten Dimension das darzustellen, was wir als dreidimensional wahrnehmen. Genau genommen ist es eine Sinnestäuschung. Mit der angeblichen Tiefe gewinnen wir eine neue Perspektive. Die vier Flächen um das Rechteck in der Mitte haben eine Funktion. Durch die leeren Trapeze, die Längs- und Querschraffur wird der Blick automatisch auf die Mitte gelenkt und zwar hinter die Mitte, die man nicht sieht, auf die Linien aber zulaufen. Der räumliche Eindruck wird verstärkt. Der Fluchtpunkt wird zum Fokus, an dem sich alles ausrichtet.
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