Geschönte Kante

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Die Wände der Autobahnkirche und besonders die der Krypta sind aus hartem, unnachgiebigem Beton. Da kommt es zwangsläufig auch zu Kanten und Ecken, an denen man sich heftig stoßen kann. So ein Stoß ist schmerzhaft. Kanten lassen sich nicht vermeiden, wenn man sich nicht für einen Bau entscheidet, an dem alles gerundet ist. Die Kanten im Beton sind besonders scharf, zum Teil sogar so spitz, dass schon ein leichter Stoß ausreicht, um sich zu verletzen. Emil Wachter ist sich dieses Problems bewusst gewesen und hat versucht, Ecken und Kanten zu verschärfen. Das ist ihm mehr als gelungen. Scharfe Kanten lassen sich nicht vermeiden. Das einzige, was er tun konnte ist, dass er sie immer wieder aufgebrochen hat. Da setzt sich ein Muster auf der anderen Seite des Ecks fort, so dass eine Kante nicht mehr einheitlich ist. Sie wird ungenau, sogar unfassbarer, man weiß nicht mehr so recht, wo sie verläuft. Die gebrochene Kante besteht aus Beton und es wird für noch mehr Schärfe gesorgt. Was schön aussieht, das kann weh tun. Das, was als Zeichen für Rettung und Erlösung gebaut wurde, in diesem Fall diese Kirche, kann auch für Verletzungen sorgen und so mancher hat sich an diesen Ecken schon gestoßen und weh getan. Aber ein Kantenschutz, wie man ihn wegen Sicherheitsüberlegungen anbringen könnte, verbietet sich natürlich bei diesem Kunstwerk.
Das gilt aber auch im übertragenen Sinn. Wenn sich eine Institution verfestigt, wenn sie Gestalt und Form gewinnt, dann wird sie auch härter und man wird sich daran stoßen. 
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Sie verletzt, schließt Menschen aus, sperrt andere ein. Da hilft kein schönes Muster, das die Gefährlichkeit verdeckt. Man kann die verletzende Eigenschaft von Institutionen nicht unter Kunst zudecken, auch wenn das immer wieder versucht wird. Das, was schön ist und Hilfe anbietet, hat auch seine Schattenseiten. Ohne sich darauf Hinauszureden lassen sie sich auch nicht  vermeiden. Wir brauchen aber ein Bewusstsein für die Gefährlichkeit für Ecken und Kanten, dann vermeiden wir es, dass sie und gefährlich werden und weh tun.
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Bilderwelt der Autobahnkirche
 
  

Perspektiven öffnen

Eine auf den ersten Blick unverständliche Darstellung am Mose-Fries an der Autobahnkirche. Zwischen Mose und seiner Schwester Miriam findet sich eine Konstruktionszeichnung, in der auf der Fläche ein tiefer Raum aufgezogen wird. Möglich wird das durch die Konstruktion eines Fluchtpunktes, die die Malerei zur Zeit der Renaissance revolutioniert hat. Mit einem Fluchtpunkt erreicht man eine Perspektive und die Fläche bekommt räumliche Tiefe. Es ist der Versuch in der zweiten Dimension das darzustellen, was wir als dreidimensional wahrnehmen. Genau genommen ist es eine Sinnestäuschung. Mit der angeblichen Tiefe gewinnen wir eine neue Perspektive. Die vier Flächen um das Rechteck in der Mitte haben eine Funktion. Durch die leeren Trapeze, die Längs- und Querschraffur wird der Blick automatisch auf die Mitte gelenkt und zwar hinter die Mitte, die man nicht sieht, auf die Linien aber zulaufen. Der räumliche Eindruck wird verstärkt. Der Fluchtpunkt wird zum Fokus, an dem sich alles ausrichtet.
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