Jesus oder Christus

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Jesus gilt als Begründer der christlichen Religion. Doch wer ist er wirklich und vielleicht noch wichtiger: Wie sprechen wir von ihm? Es gibt eine wesentliche Unterscheidung, die sich im letzten Jahrhundert endgültig durchgesetzt hat. Wir sprechen von zwei Personen: Da ist zum einen der historische Jesus. Auf diesen gehen die Erzählungen aus dem Neuen Testament zurück, wie sie in den Evangelien berichtet werden. Doch schon diese erzählen wenig über die historische Person, denn sie wollen ja keine Geschichtsschreibung in unserem Sinn sein. Der historische Jesus ist eine Person, die im Dunkel der Geschichte verschwindet. Wir wissen so gut wie nichts über ihn. Es gibt sogar Zweifel daran, ob er überhaupt gelebt hat oder ob er nicht eine Erfindung bestimmter Kreise aus dem Umfeld im Palästina der Zeitenwende ist. Das, was wir in den Evangelien über ihn lesen, hat schon mit der anderen Gestalt zu tun, die mit ihm gleichgesetzt wird, dem Christus. Als der versprochene Retter, als der Gesalbte, der kommen soll, wird er verkündet. Der Gesalbte, auf hebräisch Messias und auf griechisch Christus, wird er genannt. Er sei von Gott auferweckt worden und wäre den Jüngern erschienen. Diese Erfahrung hat dazu geführt, dass der, der früher der historische Jesus war, jetzt als wiederauferstandener Christus verkündet wird. Alles, was wir in den Evangelien über ihn lesen, ist aus dieser Sicht geschrieben. Der historischen Gestalt bringen uns diese Erzählungen aber nicht näher.
Als Sohn Gottes, als Teil der göttlichen Dreifaltigkeit, zu der er später wurde, spielt die historische Person Jesus keine Rolle keine Rolle mehr. Wichtig ist allein der Christus, der Inhalt der Verkündigung geworden ist. Die Person Jesu wird lediglich dazu gebraucht, einen zeitgeschichtlichen Anker zu bilden, dass Gott in der Welt und für die Welt gehandelt hat. Wir sprechen aber von Jesus Christus als Einheit, beide gehören zusammen. Wir betonen, dass er Mensch war. 
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Doch nehmen wir diese menschliche Seite wirklich als so menschlich wahr? Ist es nicht vielmehr die göttliche Gestalt, der wir gegenüber stehen? Auf Ikonen und anderen Bildern hat er wenig gemein mit einem Menschen aus Fleisch und Blut, vom Aussehen abgesehen. Vielleicht ist es unsere Aufgabe, die menschliche Seite hinter dem Christus neu zu entdecken. 
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Bilderwelt der Autobahnkirche
 
  

Perspektiven öffnen

Eine auf den ersten Blick unverständliche Darstellung am Mose-Fries an der Autobahnkirche. Zwischen Mose und seiner Schwester Miriam findet sich eine Konstruktionszeichnung, in der auf der Fläche ein tiefer Raum aufgezogen wird. Möglich wird das durch die Konstruktion eines Fluchtpunktes, die die Malerei zur Zeit der Renaissance revolutioniert hat. Mit einem Fluchtpunkt erreicht man eine Perspektive und die Fläche bekommt räumliche Tiefe. Es ist der Versuch in der zweiten Dimension das darzustellen, was wir als dreidimensional wahrnehmen. Genau genommen ist es eine Sinnestäuschung. Mit der angeblichen Tiefe gewinnen wir eine neue Perspektive. Die vier Flächen um das Rechteck in der Mitte haben eine Funktion. Durch die leeren Trapeze, die Längs- und Querschraffur wird der Blick automatisch auf die Mitte gelenkt und zwar hinter die Mitte, die man nicht sieht, auf die Linien aber zulaufen. Der räumliche Eindruck wird verstärkt. Der Fluchtpunkt wird zum Fokus, an dem sich alles ausrichtet.
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