Die Ehre der Altäre

Altäre sind in unseren Kirchen eine Selbstverständlichkeit. Sie stehen meist an zentraler Position in der Mitte und die Bänke oder Stühle sind darauf ausgerichtet. In Gottesdiensten findet am Altar die zentrale Handlung statt. In der Autobahnkirche stehen zwei Altäre, ein großer in der Oberkirche, ein kleinerer in der Krypta, der der Mittelpunkt der Kirche ist. In der Fensterfront im Norden sehen wir auch einen Altar, der aus roten Ziegelsteinen gemauert erscheint. Ein Engel stellt darauf eine Schale mit Weihrauch ab. Wenn die Altäre noch so selbstverständlich sind, haben sie heute doch eine andere Bedeutung als sie es in früheren Zeiten hatten. Für den christlichen Gottesdienst gehörten sie nicht immer zum zentralen Element. Die frühen Christen kannten kein Opfer, keine Altäre und keine Priester, die das Opfer vollziehen sollten. Erst ab dem zweiten Jahrhundert wurden wieder Altäre aufgestellt, aber statt der üblichen Tier- und Brandopfer, für die man sie brauchte, wurde jetzt die Erinnerung an das Abendmahl am Altar gefeiert. Das ist kein Opfer im bisherigen Sinn, auch wenn immer wieder davon die Rede ist.
Während der Christenverfolgungen haben sich Christen um die Gräber ihrer Märtyrerinnen und Märtyrer versammelt. Auf diese Gräber stellten sie ihre Altäre, diese Gräber wurden zu den zentralen Orten der jungen Kirche. Sie haben sich weniger um das Opfer versammelt, sondern um die Glaubenszeugen, die für ihre Überzeugung gestorben sind. 
Heute werden in den katholischen Altären kleine Stücke von Heiligen, ihre Reliquien, eingelassen, um die Verbindung zu diesen Menschen herzustellen. Und wer heilig gesprochen wurde, hat man deshalb im wahrsten Sinne des Wortes zu den Ehren der Altäre erhoben. Und heute? Wie gehen wir mit unseren Altären um? Wir opfern keine Tiere mehr, der Gedanke des Opfers wird immer schwieriger. Dass ich etwas auf dem Altar darbringe, etwas, das mir wertvoll ist, dass ich es opfere, ist immer schwerer zu vermitteln und passt nicht mehr zu unserer Lebenserfahrung. Dass sie immer noch zentral in unseren Kirchen stehen, ist eine Aufforderung, darüber nachzudenken, wozu wir sie brauchen. Vielleicht als Erinnerung an die Gräber der Heiligen, als Ort der Gemeinschaft, als Tisch, an dem wir unsere Welt vor Gott tragen?
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Bilderwelt der Autobahnkirche
 
  

Perspektiven öffnen

Eine auf den ersten Blick unverständliche Darstellung am Mose-Fries an der Autobahnkirche. Zwischen Mose und seiner Schwester Miriam findet sich eine Konstruktionszeichnung, in der auf der Fläche ein tiefer Raum aufgezogen wird. Möglich wird das durch die Konstruktion eines Fluchtpunktes, die die Malerei zur Zeit der Renaissance revolutioniert hat. Mit einem Fluchtpunkt erreicht man eine Perspektive und die Fläche bekommt räumliche Tiefe. Es ist der Versuch in der zweiten Dimension das darzustellen, was wir als dreidimensional wahrnehmen. Genau genommen ist es eine Sinnestäuschung. Mit der angeblichen Tiefe gewinnen wir eine neue Perspektive. Die vier Flächen um das Rechteck in der Mitte haben eine Funktion. Durch die leeren Trapeze, die Längs- und Querschraffur wird der Blick automatisch auf die Mitte gelenkt und zwar hinter die Mitte, die man nicht sieht, auf die Linien aber zulaufen. Der räumliche Eindruck wird verstärkt. Der Fluchtpunkt wird zum Fokus, an dem sich alles ausrichtet.
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