Vom Chaos zur Ordnung

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Wie erleben wir unseren Alltag? Ist er eher geordnet oder doch durch und durch chaotisch? Wir wünschen uns Ordnung, wir versuchen das zu verwirklichen, was wir unter Ordnung verstehen. Manchmal gelingt das, manchmal nicht. Diese Unverfügbarkeit der beiden Prinzipien Ordnung und Chaos und die Zufälligkeit, der wir ausgeliefert sind, drängt uns dazu, über Religion und Spiritualität eine Lösung für dieses Dilemma zu finden. Religion schenkt mit ihren Traditionen und Ritualen eine gewisse Ordnung. »So wie jetzt und alle Zeit und in Ewigkeit!« Lautet der Leitspruch. Spiritualität schenkt die Gelassenheit, auch mit Durcheinander und Ungeklärtem leben zu können. Hier heißt es eher: » Es ist gut so, wie es jetzt gerade ist.« Oder: »Es ist so, wie es ist!«
Das zentrale Fenster in der Autobahnkirche setzt diese Lebenserfahrung, in der wir hin- und hergerissen sind, ins Bild. Rechts sehen wir geordnete Verhältnisse, links das unstrukturierte Chaos. In der Mitte ist das Glaubenssymbol, das Lamm. Es wendet sich dem Chaos zu, ja es geht sogar in Richtung Chaos, als würde es sagen: Dort, wo es war, dort ist es geordnet. Aber, und das ist ganz wichtig, umsonst gibt es diese Ordnung nicht. Das Lamm trägt eine große Wunde, der Weg, den es gegangen ist, war verletzend. Diese Verletzung ist dem Chaos näher als der Ordnung, was die Frage aufwirft, ob das Chaos verletzend ist, oder ob es notwendend ist, dass man verletzt wird, wenn man Ordnung schafft. 
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Wie auch immer, beides ist möglich. Es erübrigt sich auch die Frage, was nun besser ist. Laut den physikalischen Gesetzen ist Unordnung und Chaos der Normalzustand mit der geringsten Energie, so dass am Ende alles wieder darauf hinausläuft. Ordnung ist schwierig, und trotz allem Wunschdenken nicht sehr stabil. Auch das ist eine Erfahrung, die wir tagtäglich machen. Es wird wohl immer eine große Arbeit und Herausforderung sein, für eine Ordnung einzutreten und sie zu halten.
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Bilderwelt der Autobahnkirche
 
  

Perspektiven öffnen

Eine auf den ersten Blick unverständliche Darstellung am Mose-Fries an der Autobahnkirche. Zwischen Mose und seiner Schwester Miriam findet sich eine Konstruktionszeichnung, in der auf der Fläche ein tiefer Raum aufgezogen wird. Möglich wird das durch die Konstruktion eines Fluchtpunktes, die die Malerei zur Zeit der Renaissance revolutioniert hat. Mit einem Fluchtpunkt erreicht man eine Perspektive und die Fläche bekommt räumliche Tiefe. Es ist der Versuch in der zweiten Dimension das darzustellen, was wir als dreidimensional wahrnehmen. Genau genommen ist es eine Sinnestäuschung. Mit der angeblichen Tiefe gewinnen wir eine neue Perspektive. Die vier Flächen um das Rechteck in der Mitte haben eine Funktion. Durch die leeren Trapeze, die Längs- und Querschraffur wird der Blick automatisch auf die Mitte gelenkt und zwar hinter die Mitte, die man nicht sieht, auf die Linien aber zulaufen. Der räumliche Eindruck wird verstärkt. Der Fluchtpunkt wird zum Fokus, an dem sich alles ausrichtet.
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