Der Thron ohne Namen

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Ein Thron gehört zum Selbstverständnis eines Herrschers und einer Herrscherin. Er ist eines der Zeichen, das die Kontinuität der Herrschaft darstellt. Auf dem Thron haben schon andere vor ihm oder ihr Platz genommen, oft auch aus anderen Dynastien. Der Thron wird auch den Nachfolgerinnen und Nachfolgern dienen. Throne werden für Königinnen und für Könige aufgerichtet, auf ihnen sollen Göttinnen und Götter Platz nehmen und sie dienen auch religiösen Oberhäuptern als Zeichen ihrer Macht und Herrschaft. Nicht selten haben diese Throne einen besonderen Namen, der oft einen Bezug zum besonderen dieser Herrschaft hat. Einige der bekanntesten Throne sind der Pfauenthron der persischen Herrschergeschlechtes oder der Chrysantementhron des japanischen Tenno. Auch der Thron des Dalai Lama hat einen Namen: der Löwenthron und der des katholischen Oberhaupts in Rom heißt: Cathedra Petri. Oft ist dieser Thron mit einem bestimmten Ort verbunden und wird verwendet bei Krönungen und offiziellen Audienzen. Doch der Thron in der Autobahnkirche hat keinen Namen, er wird nur als der (leere) Thron Gottes bezeichnet.
Im westlichen Kulturkreis spielt der Namen eines Thrones heute keine so große Rolle, oft sind sie ja mit wenig Macht verbunden und stehen eher für die Kontinuität und die Verbindung zu Traditionen und Geschichte. In dieser Tradition können wir auch die Namenlosigkeit dieses Thrones sehen. Er ist kein Herrschaftszeichen, denn er ist ja leer. 
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Er steht mehr für die mögliche Gegenwart des Göttlichen. Je weniger Name, umso offener bleibt die Deutung für diesen Thron. Es reicht aus, wenn man sich diesen Thron als Zeichen der Gegenwart Gottes vorstellt, er kann auch für die Abwesenheit oder gar für die Nichtexistenz Gottes stehen. Ein bekanntes Motiv wird so zum Zeichen für eine Denkbewegung, die viel mit unserem eigenen Leben zu tun hat. Wir können dem Thron Gottes einen Namen geben, der nur für uns gilt. In aller Offenheit für die Deutung anderer. Wie heißt der Thron Gottes für dich? Hat er überhaupt einen Namen? Und vor allem: Wer nimmt darauf Platz?
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Eine auf den ersten Blick unverständliche Darstellung am Mose-Fries an der Autobahnkirche. Zwischen Mose und seiner Schwester Miriam findet sich eine Konstruktionszeichnung, in der auf der Fläche ein tiefer Raum aufgezogen wird. Möglich wird das durch die Konstruktion eines Fluchtpunktes, die die Malerei zur Zeit der Renaissance revolutioniert hat. Mit einem Fluchtpunkt erreicht man eine Perspektive und die Fläche bekommt räumliche Tiefe. Es ist der Versuch in der zweiten Dimension das darzustellen, was wir als dreidimensional wahrnehmen. Genau genommen ist es eine Sinnestäuschung. Mit der angeblichen Tiefe gewinnen wir eine neue Perspektive. Die vier Flächen um das Rechteck in der Mitte haben eine Funktion. Durch die leeren Trapeze, die Längs- und Querschraffur wird der Blick automatisch auf die Mitte gelenkt und zwar hinter die Mitte, die man nicht sieht, auf die Linien aber zulaufen. Der räumliche Eindruck wird verstärkt. Der Fluchtpunkt wird zum Fokus, an dem sich alles ausrichtet.
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