Aufs Wesentliche reduziert

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Was ist der Kern der frohen Botschaft? Diese Frage kommt mir in den Sinn, wenn ich Darstellung am Altar in der Autobahnkirche sehe. Zwei Unterarme mit Händen, betend oder segnend ausgebreitet, und ein freundliches, zugewandtes Gesicht. Die Botschaft, die so verkündet wird, könnte lauten: »Gott sieht dich freundlich an, du bist willkommen, du bist gesegnet.« Das ist das Wesentliche der christlichen Botschaft. Man kann es auch etwas weiter fassen, wenn man diese einladende Haltung ernst nimmt: »Hab keine Angst. Ich bin bei Dir!« Das ist auch die Botschaft, die jede Religion vertritt, die den Menschen Hilfe an die Hand gibt, das Leben zu bestehen. Das ist das Tröstliche, ja das ist wirklich frohe (und befreiende) Botschaft, die nicht nur das Christentum verkündet.
Diese Darstellung hat aber auch etwas Befremdliches. Das liegt wohl daran, dass Emil Wachter diese Grundbotschaft sehr »eingedampft« hat und auf das Wesentliche beschränkt hat. Geöffnete Arme und ein freundliches Gesicht. In den Siebzigern war man eher darauf bedacht, Inhalte sehr knapp zu fassen. Auch bietet das Medium Beton nicht so feine gestalterischen Möglichkeiten wie andere Materialien. Emil Wachter hat sich hier kurz gefasst und sehr einfach gearbeitet. Wir würden heute ganzheitlicher vorgehen. Vielleicht würde man diese Begegnung zwischen Gott und Menschen sehen. Aber das wäre auch wieder sehr naiv. Ich schlage eine weitere Sichtweise vor, die auch diesem Kunstwerk gerecht wird. 
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Die Person, die diese Darstellung betrachtet, tritt in Interaktion mit dem Bild. Es ist eine Form der Begegnung mit dem Göttlichen, die sehr offen gestaltet ist und wenig Vorgaben darüber macht, wie ich mir Gott vorstelle. Der freundliche, zugewandte Blick sagt mir: »Hab keine Angst!« Und die Arme drücken aus: »Du bist willkommen!« oder »Ich bin bei Dir!« So bin ich als Mensch ganz da und in diese Erfahrung Gottes hineingenommen. Es ist die Botschaft, die ich weitertragen kann zu den Menschen, die mir begegnen: »Hab keine Angst! Ich bin bei Dir!« Dann handeln wir an der Stelle Gottes und wechseln unseren Platz. Darauf kommt es an!
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Bilderwelt der Autobahnkirche
 
  

Perspektiven öffnen

Eine auf den ersten Blick unverständliche Darstellung am Mose-Fries an der Autobahnkirche. Zwischen Mose und seiner Schwester Miriam findet sich eine Konstruktionszeichnung, in der auf der Fläche ein tiefer Raum aufgezogen wird. Möglich wird das durch die Konstruktion eines Fluchtpunktes, die die Malerei zur Zeit der Renaissance revolutioniert hat. Mit einem Fluchtpunkt erreicht man eine Perspektive und die Fläche bekommt räumliche Tiefe. Es ist der Versuch in der zweiten Dimension das darzustellen, was wir als dreidimensional wahrnehmen. Genau genommen ist es eine Sinnestäuschung. Mit der angeblichen Tiefe gewinnen wir eine neue Perspektive. Die vier Flächen um das Rechteck in der Mitte haben eine Funktion. Durch die leeren Trapeze, die Längs- und Querschraffur wird der Blick automatisch auf die Mitte gelenkt und zwar hinter die Mitte, die man nicht sieht, auf die Linien aber zulaufen. Der räumliche Eindruck wird verstärkt. Der Fluchtpunkt wird zum Fokus, an dem sich alles ausrichtet.
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