Gott ruht sich aus

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Gottes Thron ist leer. So sieht man ihn in der Fensterfront an der Nordseite der Autobahnkirche. Ob und warum er leer ist, dazu können wir ausgiebig spekulieren. Auf jeden Fall ist dieser Thron ein Zeichen für die Gegenwart Gottes und ein ganz besonderes dazu. Normalerweise ist ein Stuhl oder Sessel ein Ort, an dem man es sich gemütlich macht, ein Thron ist das weniger. Aber nehmen wir doch mal an, Gott braucht solch einen Stuhl, um sich auszuruhen. Gott hat das nötig, so wird es nämlich für den siebten Schöpfungstag berichtet: »Am siebten Tag hatte Gott sein Werk vollendet und ruhte von aller seiner Arbeit aus. Und Gott segnete den siebten Tag und erklärte ihn zu einem heiligen Tag, der ihm gehört, denn an diesem Tag ruhte Gott, nachdem er sein Schöpfungswerk vollbracht hatte.« (Genesis 2,2-3, Übersetzung Gute Nachricht). Der Thron wäre als Ort denkbar, damit Gott sich ausruhen kann. Das Ausruhen, mit dem in der deutschen Übersetzung gearbeitet wird, kann man auch als zurückziehen deuten. Nicht im Sinne von »Das geht mich nichts mehr an!«, sondern eher »Ich mache mal Pause!«.
Wenn Gott ausruhen muss, dann ist das ein ermutigendes Zeichen, denn es beschreibt eine Eigenschaft Gottes, die wir uns näher anschauen können. Wenn ich mich zurückziehe, dann entziehe ich mich allem, was mich zur Leistung anstachelt. Gott muss nicht ständig herrschen, Gott muss nicht immer kontrollieren. Gott muss nicht immer schöpferisch tätig sein. 
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Gott kann es sich leisten, auch einmal abwesend zu sein, frei zu haben, Urlaub zu machen. Gott hat keine Angst, dass alles zusammenbricht, wenn mal nicht alle Fäden in seinen oder ihren Händen zusammenlaufen. So sehe ich es auch für mich. Wenn ich mal nicht in vorderster Front tätig bin, dann bedeutet das ja nicht, dass ich ganz weg bin. Ich bin immer noch da, aber nicht so präsent, dass man mich immer sieht. Das möchte ich auch Gott gerne zugestehen. Für mich ist es eine Einladung,  selbst mal abwesend sein zu können. Dafür könnte ja der siebte Tag hilfreich sein. Auf jeden Fall können wir uns hier am Beispiel Gottes orientieren: »Mach's wie Gott und mach mal Pause, ruh dich aus!«
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Perspektiven öffnen

Eine auf den ersten Blick unverständliche Darstellung am Mose-Fries an der Autobahnkirche. Zwischen Mose und seiner Schwester Miriam findet sich eine Konstruktionszeichnung, in der auf der Fläche ein tiefer Raum aufgezogen wird. Möglich wird das durch die Konstruktion eines Fluchtpunktes, die die Malerei zur Zeit der Renaissance revolutioniert hat. Mit einem Fluchtpunkt erreicht man eine Perspektive und die Fläche bekommt räumliche Tiefe. Es ist der Versuch in der zweiten Dimension das darzustellen, was wir als dreidimensional wahrnehmen. Genau genommen ist es eine Sinnestäuschung. Mit der angeblichen Tiefe gewinnen wir eine neue Perspektive. Die vier Flächen um das Rechteck in der Mitte haben eine Funktion. Durch die leeren Trapeze, die Längs- und Querschraffur wird der Blick automatisch auf die Mitte gelenkt und zwar hinter die Mitte, die man nicht sieht, auf die Linien aber zulaufen. Der räumliche Eindruck wird verstärkt. Der Fluchtpunkt wird zum Fokus, an dem sich alles ausrichtet.
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