Engel der Stille

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Nicht immer werden Engel so dargestellt wie Menschen. Wir reden von ihnen, aber wir wissen nicht, wie sie aussehen. Wir haben bestimmte Vorstellungen, an denen wir sie erkennen. Ganz gleich wie groß oder ernsthaft, wie niedlich oder klein, die Flügel sind ihnen meistens eigen und daran erkennen wir sie. Emil Wachter beschränkt sich oft darauf, die Flügel zu zeigen, wenn er von Engen erzählen will. In der Südostecke in der Krypta der Autobahnkirche entdecken wir die Flügel eines Engels, den ich Engel der Stille nennen will. Er steht im Dunkeln, ist etwas verborgen, er springt nicht sofort ins Auge, aber er ist da.
Die Krypta als Rückzugsort steht für die Stille. Man muss hinabsteigen, um zur Ruhe zu kommen. Das ist nicht nur symbolisch zu verstehen, sondern auch wörtlich. Man muss in sich hinabsteigen, wenn man Ruhe und Stille finden will. Der Engel ist der Wächter der Stille, der uns auf diesem Weg begleitet. Ob die Flügel jetzt für den Botendienst zwischen der göttlichen und der menschlichen Sphäre stehen, ob sie einen Schutz bieten, der uns einhüllt, ob sie uns abschirmen vor dem Alltag, der uns an der Stille hindert, sei dahingestellt. Alles ist möglich, zu jedem verhilft dieser Engel. Doch eines kann er beim besten Willen nicht schaffen: Unsere Bereitschaft, uns auf die Stille einzulassen. 
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Der Engel als Bote lädt ein, er begleitet uns auf diesem Weg. Er öffnet die Quellen des Göttlichen in uns, aber er schafft diese Stille nicht. Es liegt an uns, ob wir bereit sind, hinabzusteigen. Es ist unsere Aufgabe, dem Göttlichen in uns, der Stille den Raum zu geben, den sie braucht. Wir sollen die Bereitschaft aufbringen, die Stille auszuhalten und in den Alltag zu retten. Wir müssen letztlich bereit dazu sein, dass es still werden kann. Der Engel ist lediglich eine stille Einladung dazu. Wenn wir ihn so sehen, dann kann er eine große Hilfe, diese schwierige Aufgabe zu meistern. Wenn wir ganz still werden hören wir vielleicht seine leise Stimme, die sagt: »Komm schon, miteinander werden wir still.«
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Bilderwelt der Autobahnkirche
 
  

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Eine auf den ersten Blick unverständliche Darstellung am Mose-Fries an der Autobahnkirche. Zwischen Mose und seiner Schwester Miriam findet sich eine Konstruktionszeichnung, in der auf der Fläche ein tiefer Raum aufgezogen wird. Möglich wird das durch die Konstruktion eines Fluchtpunktes, die die Malerei zur Zeit der Renaissance revolutioniert hat. Mit einem Fluchtpunkt erreicht man eine Perspektive und die Fläche bekommt räumliche Tiefe. Es ist der Versuch in der zweiten Dimension das darzustellen, was wir als dreidimensional wahrnehmen. Genau genommen ist es eine Sinnestäuschung. Mit der angeblichen Tiefe gewinnen wir eine neue Perspektive. Die vier Flächen um das Rechteck in der Mitte haben eine Funktion. Durch die leeren Trapeze, die Längs- und Querschraffur wird der Blick automatisch auf die Mitte gelenkt und zwar hinter die Mitte, die man nicht sieht, auf die Linien aber zulaufen. Der räumliche Eindruck wird verstärkt. Der Fluchtpunkt wird zum Fokus, an dem sich alles ausrichtet.
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