Weltanschauung

Wie schauen wir eigentlich auf unsere Welt? Diese Frage scheint überflüssig, weil wir unsere Weltsicht ganz selbstverständlich haben und sie normalerweise auch nicht in Frage stellen. Jeder Mensch hat sein Weltbild, das tiefer reicht als das, was wir als Weltanschauung beschreiben. Heute sind wir in unserem Weltbild einig, dass die Erde keine Scheibe mehr ist und dass sie - aber da scheiden sich schon die Geister - im Verlauf von 16 Milliarden Jahre aus dem Urknall heraus entstanden ist. Mit dem Weltbild sind auch Fragen verbunden, die sich mit unserem Menschsein und letztlich auch mit dem Sinn des Ganzen befassen. Ist die Welt und der Mensch zufällig entstanden? Ist die Evolution ein gesteuerter Prozess, der auf ein Ziel hinausläuft, oder ein Vorgang, der sich selbst überlassen und nicht gelenkt ist. Steht am Anfang ein Schöpfer und werden wir immer noch von diesem Schöpfer beobachtet, begleitet und gesteuert?
Diese Fragen sprengen den Rahmen rein naturwissenschaftlichen Fragens. Wir sagen zwar, dass unser Weltbild naturwissenschaftlich geprägt ist, aber damit können wir nicht alle Facetten des Lebens und der Welt erfassen. Das, was wissenschaftlich beschreibbar ist, das können wir erklären und immer besser verstehen. Doch es gibt auch die andere Seite. Emil Wachter stellt sie an der Innenseite der Nordtür als die weiße, unbekannte Hälfte Erdkugel dar. Das sind nicht nur die ungeklärten Fragen, die wir irgendwann einmal klären können, sondern es sind auch die Fragen, auf die wir nie eine letztgültige Antwort finden. 
Es sind Fragen nach dem Leben überhaupt, nach dem Sinn des Lebens, die Frage nach Gott und die nach dem richtigen Handeln. Die Antworten, die wir finden, prägen unsere Weltanschauung. Fragen und Antworten verändern uns und wir finden im Laufe des Lebens auch mal sich widersprechende Antworten oder lernen mit der Offenheit zu leben. Um zu leben brauchen wir diese Fragen und Antworten. Wir brauchen diese Veränderung, zu der uns neue Antworten verhelfen. Ohne Zweifeln und Fragen kommen wir nicht weiter.
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Bilderwelt der Autobahnkirche
 
  

Perspektiven öffnen

Eine auf den ersten Blick unverständliche Darstellung am Mose-Fries an der Autobahnkirche. Zwischen Mose und seiner Schwester Miriam findet sich eine Konstruktionszeichnung, in der auf der Fläche ein tiefer Raum aufgezogen wird. Möglich wird das durch die Konstruktion eines Fluchtpunktes, die die Malerei zur Zeit der Renaissance revolutioniert hat. Mit einem Fluchtpunkt erreicht man eine Perspektive und die Fläche bekommt räumliche Tiefe. Es ist der Versuch in der zweiten Dimension das darzustellen, was wir als dreidimensional wahrnehmen. Genau genommen ist es eine Sinnestäuschung. Mit der angeblichen Tiefe gewinnen wir eine neue Perspektive. Die vier Flächen um das Rechteck in der Mitte haben eine Funktion. Durch die leeren Trapeze, die Längs- und Querschraffur wird der Blick automatisch auf die Mitte gelenkt und zwar hinter die Mitte, die man nicht sieht, auf die Linien aber zulaufen. Der räumliche Eindruck wird verstärkt. Der Fluchtpunkt wird zum Fokus, an dem sich alles ausrichtet.
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