Farbloser Pilatus

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Pilatus gehört zu den wenigen Gestalten an der Autobahnkirche, die namentlich bezeichnet werden, auch wenn die Handlung, die er vollzieht, ihn eindeutig zuordnet. Er wäscht seine Hände in Unschuld. Auf seinem Gewand erscheint sein Name unter einem blutroten Farbklecks. Pilatus wird ansonsten ohne irgendwelche Farbe ausgeführt, er versteckt sich in der Farblosigkeit. Wer farblos bleibt, der fällt nicht auf, der kann sich im Hintergrund halten und muss keine Verantwortung übernehmen. Er macht sich die Hände nicht schmutzig und lässt andere für sich arbeiten und entscheiden. Es ist das Verhalten eines Mitläufers. Er profitiert vom System, er hat Privilegien, die er nicht verlieren will. Er hat Macht und spielt diese aus. Aber wenn er gefordert wird, dann duckt er sich weg und lässt andere in die vordere Reihe treten.
Doch so ungeschoren, wie er es sich ausrechnet, kommt er nicht davon. Er hat saubere Hände, aber auf seinem Gewand prangt ein großer Blutfleck. Er hat etwas abgekriegt und geht nicht unbeschadet aus der ganzen Situation heraus. Im Evangelium tritt er als Machtpolitiker auf, der zwischen verschiedenen Interessen vermitteln  und es sich mit keiner Seite verderben will. Aber Die Geschichte hat ihn hinweggefegt. Sein Name wird fast nur noch in den Evangelien überliefert und da ist er einer derjenigen, die Mitschuld am Tod Jesu haben. Die Geschichte hat ihn zur Verantwortung gezogen, es hat ihm nichts geholfen, sich die Hände in Unschuld zu waschen. 
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Diese symbolische Handlung hat ihm nichts gebracht. Sich Wegducken ist keine Lösung, denn was scheinbar im Augenblick hilft, wird im Laufe der Zeit zur schweren Hypothek. Er kann nicht farblos bleiben, denn er hat seinen Teil zum Tod Jesu beigetragen, der Blutfleck auf seiner sonst weißen Weste spricht Bände. Emil Wachter legt mit seiner Darstellung den Finger auf diese Wunde. Es hilft ihm nichts, farblos zu bleiben. Der an sich kleine Fleck sticht ins Auge und spricht das Urteil über ihn. Eine Mahnung an uns alle.
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Bilderwelt der Autobahnkirche
 
  

Perspektiven öffnen

Eine auf den ersten Blick unverständliche Darstellung am Mose-Fries an der Autobahnkirche. Zwischen Mose und seiner Schwester Miriam findet sich eine Konstruktionszeichnung, in der auf der Fläche ein tiefer Raum aufgezogen wird. Möglich wird das durch die Konstruktion eines Fluchtpunktes, die die Malerei zur Zeit der Renaissance revolutioniert hat. Mit einem Fluchtpunkt erreicht man eine Perspektive und die Fläche bekommt räumliche Tiefe. Es ist der Versuch in der zweiten Dimension das darzustellen, was wir als dreidimensional wahrnehmen. Genau genommen ist es eine Sinnestäuschung. Mit der angeblichen Tiefe gewinnen wir eine neue Perspektive. Die vier Flächen um das Rechteck in der Mitte haben eine Funktion. Durch die leeren Trapeze, die Längs- und Querschraffur wird der Blick automatisch auf die Mitte gelenkt und zwar hinter die Mitte, die man nicht sieht, auf die Linien aber zulaufen. Der räumliche Eindruck wird verstärkt. Der Fluchtpunkt wird zum Fokus, an dem sich alles ausrichtet.
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