Mach jetzt endlich!

Oft geschieht es unbewusst, dass ich einen Auftrag, den ich vergebe, mit der Geste des Zeigefingers verstärke. Ich zeige auf das, was ich will, dass es getan wird. Ich habe eine lange Liste, von der ich will, dass sie abgearbeitet wird. Dann deute ich darauf. Es sind die kleinen alltäglichen Verrichtungen, die erledigt werden müssen, oder die großen Veränderungen auf Weltebene, die angestoßen werden sollten. Immer kann ich mit dem Finger zeigen und ihn am besten noch in eine offene Wunde legen. Diesen Finger kann ich auch folgendermaßen einsetzen: »Ich bekomme mit einem Finger mehr gearbeitet, als manche mit zwei Händen!« Dann vergebe ich Arbeiten und tue das auch mit Nachdruck: »Mach jetzt endlich, dass ...!« Diesen Finger hat Emil Wachter auch in der Autobahnkirche gestaltet. Es ist nicht der Finger der nach oben zeigt und den Menschen auf etwas Größeres verweist. Nein, es ist der Finger, der nach unten auf die Welt zeigt. Im besten Fall mahnt er Missstände und fordert ein, dass jetzt doch endlich mal etwas geschehen muss.
Im Fenster in der Ostseite der Autobahnkirche ist es der Finger des Versuchers. »Mach aus diesen Steinen Brot!« sagt er zu Jesus und deutet ganz konkret auf Steine, im übertragenen Sinn auf den Hunger in der Welt, den Jesus sofort beenden soll. Es ist die gut gemeinte Aufforderung, nicht mit dem Status Quo zufrieden zu sein und für das Ende des Hungers zu sorgen. Es ist die teuflische Aufforderung, die gerne auf einen Missstand hinweist und von anderen verlangt, dass sie etwas ändern sollen. Wenn ich sage: »Mach jetzt endlich!«, dann sind andere gemeint. Ich gebe die Verantwortung ab, ich weiß zwar, worauf es ankommt, was getan werden muss. Ich selbst halte mich aber raus. Wenn uns niemand einfällt, der jetzt tätig werden soll, dann verweisen wir gerne auf Gott.
Wir deuten mit dem Finger auf einen Fall von Elend oder Not, auf Leid oder Ungerechtigkeit und wissen gleich noch, wie wir es gerne geändert haben möchten. In Gebeten sagen wir dann Gott, was wie verändert werden soll. Wir machen ungeduldig Druck, denn das Unglück dauert ja schon zu lange. Es verändert sich aber nichts, denn dieser »Gebetsfinger« ist des Teufels. Dass sich etwas ändern muss, ist klar, aber muss es Gott sein, der eingreift? Zeige ich nicht vielmehr auf mich, wenn ich fordere: »Mach jetzt endlich!«?
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Dazugehören

Wenn Abraham alle Menschen als Stammvater umfasst, kommt eine Botschaft heraus, wie sie besser nicht formuliert werden kann. Sie zieht sich durch die Heilige Schrift wie ein roter Faden. Beim Propheten Jesaja hört sie sich so an: »18b Der HERR sagt: »Die Zeit kommt, dass ich die Menschen aller Völker und Sprachen versammle. Sie alle werden zu mir kommen und meine Herrlichkeit sehen. 19 Ich werde ein Zeichen unter ihnen aufrichten und Boten zu ihnen senden – Menschen aus allen Völkern, die sich mir angeschlossen haben. Zu den fernsten Küsten sende ich meine Boten, nach Tarschisch, Put und Lud, nach Meschech, Tubal und Jawan. Unter den Völkern, die noch nichts von mir gehört und meine herrlichen Taten nicht gesehen haben, sollen sie meinen Ruhm bekannt machen. 20 Wenn sie zurückkehren, werden sie alle eure Brüder und Schwestern mitbringen, die noch unter den Völkern zerstreut sind. Auf Pferden, Maultieren und Dromedaren, in Wagen und Sänften werden dann aus aller Welt die Zerstreuten meines Volkes zu meinem heiligen Berg nach Jerusalem gebracht werden, als eine Opfergabe der Völker für mich, den HERRN – so wie ihr Israeliten eure Speiseopfer in reinen Gefäßen zu meinem Tempel bringt. « (Jesaja 66,18b-20, Übersetzung Gute Nachricht).
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