Lebenssplitter

In der Autobahnkirche gibt es Fenster, die auf den ersten Blick dekorativen Zwecken dienen. In diese Bilder kann man eine Deutung hineinlegen, die ein schlüssiges Ganzes ergibt. Die beiden Farben Blau und Rot tauchen in den Fenstern immer dann auf, wenn es um das Irdische, die Welt mit den blauen Glasteilen und um das Leben, den Menschen, die Liebe und den Geist mit den roten Elementen geht. Auf blauen Untergrund sehen wir hier kleine rote Splitter. Auch wenn die roten Anteile in diesem Fenster gering sind, stechen sie doch sofort ins Auge, es geht nicht um das Blau, sondern um die kleinen roten Splitter, es geht letztlich nicht um die Erde und das Irdische, um die Materie, sondern um das Leben und den Geist, die wir sofort wahrnehmen. Beides zusammen, die Materie und das Leben, und wir sollten da auch den Geist ergänzen, ergeben zusammen das, was wir als Kosmos bezeichnen. Es ist die Welt in der wir leben und mit der wir leben.
Es sind die kleinen Splitter des Lebendigen, die um Aufmerksamkeit heischen. Es ist das Leben, um das sich alles dreht, und um das, was das Leben hervorbringt. Es sind die kleinen lebendigen Splitter, die dafür sorgen, dass es weitergeht. Doch auch der Hintergrund, auf dem das Leben entsteht, ist wichtig, denn er ist der Grund, aus dem heraus sich das Leben gebildet hat. Ohne den blauen Grund, ohne die Materie, haben die einzelnen roten Splitter keinen Halt und würden ins Bodenlose zusammenstürzen. Die blaue Welt, die Materie hat das Leben hervorgebracht. Sie gibt dem Leben Halt und Orientierung.
Jeder Splitter des Lebens, wie wir ihn wahrnehmen, ist Zeugnis einer Entwicklung über Jahrmilliarden. Im Leben spiegelt sich all das wider, was war. In dem, was ist, erahnen wir auch, was sein wird. Vor allem steht die Erkenntnis, dass in jedem Lebenssplitter, und sei er noch so klein, das ganze Leben aufscheint, in seiner ganzen Größe, Vielfalt und Einzigartigkeit. So erzählt auch mein Leben von dem, was von Anfang ist, was war und was kommen wird. Es lohnt sich also ein kleiner Splitter dieses Lebens zu sein!,
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Bilderwelt der Autobahnkirche
 
  

Perspektiven öffnen

Eine auf den ersten Blick unverständliche Darstellung am Mose-Fries an der Autobahnkirche. Zwischen Mose und seiner Schwester Miriam findet sich eine Konstruktionszeichnung, in der auf der Fläche ein tiefer Raum aufgezogen wird. Möglich wird das durch die Konstruktion eines Fluchtpunktes, die die Malerei zur Zeit der Renaissance revolutioniert hat. Mit einem Fluchtpunkt erreicht man eine Perspektive und die Fläche bekommt räumliche Tiefe. Es ist der Versuch in der zweiten Dimension das darzustellen, was wir als dreidimensional wahrnehmen. Genau genommen ist es eine Sinnestäuschung. Mit der angeblichen Tiefe gewinnen wir eine neue Perspektive. Die vier Flächen um das Rechteck in der Mitte haben eine Funktion. Durch die leeren Trapeze, die Längs- und Querschraffur wird der Blick automatisch auf die Mitte gelenkt und zwar hinter die Mitte, die man nicht sieht, auf die Linien aber zulaufen. Der räumliche Eindruck wird verstärkt. Der Fluchtpunkt wird zum Fokus, an dem sich alles ausrichtet.
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