Alles, was Odem hat

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Emil Wachter nennt dieses Fenster »Die Wunder des Kosmos, die Sterne preisen den Schöpfer«. Es ist ein eher unscheinbares Fenster, das er mit einer der grundlegenden Aussagen der jüdisch-christlichen Tradition belegt hat. Sieben Juwelen in strahlendem Gelb schmücken den oberen Rand, ansonsten sehen wir nur weiße, oder schwarze Elemente, die meisten Rauten oder Dreiecke. Der Lobpreis dessen, was geschaffen ist, spielt in der ganzen heiligen Schrift eine große Rolle, immer wieder wird beispielsweise in den Psalmen betont, dass die Schöpfung nicht aufhört, mit allen Stimmen Gott zu preisen. Es ist die Dankbarkeit als Grundhaltung, die im Lobpreis zum Ausdruck kommt. Dankbarkeit für das Leben überhaupt, für die eigene Existenz, für das kosmische Zusammenspiel aller Kräfte, für das Gewebe des Seins, das alles durchzieht und in das jedes Lebewesen und tote Materie eingebunden ist. Dieser Lobpreis ist einfacher in Worten auszudrücken, weil man eher versteht, um was es geht. Aber man kommt da auch schnell an Grenzen. Doch wie stellt man diesen Lobpreis der Schöpfung bildlich dar?
In diesem Fenster ganz einfach mit ungefärbtem, strahlenden, weißen Licht, das bekanntlich alle Farben enthält. Dazu die Materie, die die einzelnen Elemente miteinander verbindet, hier der schwarze Beton, der die Glasstücke an ihrem Platz hält. Und die verschiedenen Formen stehen für die Vielfalt des Lebens, für die Unermesslichkeit des Kosmos, für das Sein, den Raum und die Zeit.
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Je länger man vor diesem Fenster steht, umso klarer wird die Sicht auf die Welt, auf den ganzen Kosmos. Es ist eine umfassende Sicht. Allen Seins. Mit Kosmos ist nicht nur der Weltraum gemeint, der an sich schon unendlich ist, sondern auch der Raum, in dem die Ideen und Gedanken entstehen, die Teil des ganzen Netzwerkes sind. Die Wunder des Kosmos in ihrer Vielfalt regen zum Staunen an und lassen als einzige Reaktion den Lobpreis zu: »Es ist gut, dass du bist, schön, dass es dich gibt.« So zu loben ist, der Schöpfung, den Menschen, dem ganzen Kosmos eben eine Liebeserklärung auszusprechen. »Sei gepriesen!«
 
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Bilderwelt der Autobahnkirche
 
  

Perspektiven öffnen

Eine auf den ersten Blick unverständliche Darstellung am Mose-Fries an der Autobahnkirche. Zwischen Mose und seiner Schwester Miriam findet sich eine Konstruktionszeichnung, in der auf der Fläche ein tiefer Raum aufgezogen wird. Möglich wird das durch die Konstruktion eines Fluchtpunktes, die die Malerei zur Zeit der Renaissance revolutioniert hat. Mit einem Fluchtpunkt erreicht man eine Perspektive und die Fläche bekommt räumliche Tiefe. Es ist der Versuch in der zweiten Dimension das darzustellen, was wir als dreidimensional wahrnehmen. Genau genommen ist es eine Sinnestäuschung. Mit der angeblichen Tiefe gewinnen wir eine neue Perspektive. Die vier Flächen um das Rechteck in der Mitte haben eine Funktion. Durch die leeren Trapeze, die Längs- und Querschraffur wird der Blick automatisch auf die Mitte gelenkt und zwar hinter die Mitte, die man nicht sieht, auf die Linien aber zulaufen. Der räumliche Eindruck wird verstärkt. Der Fluchtpunkt wird zum Fokus, an dem sich alles ausrichtet.
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