Vor Gott sind alle gleich

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Gerechtigkeit, das wissen wir, gibt es im alltäglichen Leben nicht immer. Wir streben an, dass möglichst alle gleich behandelt werden, aber das ist selten möglich. Wenn es schon im normalen Leben keine Gerechtigkeit gibt, dann erhofft man sich diese zumindest im geistigen Leben. Wenn es uns Menschen nicht gelingt, für gerechten Umgang untereinander zu sorgen, dann erwarten wir es zumindest von Gott. In den Religionen taucht immer wieder die Frage nach der Gerechtigkeit auf. Aber dann muss man auch fragen, ob Gott wirklich gerecht ist. Warum lässt Gott das zu, was in unseren Augen überhaupt nicht gerecht ist? Unsere Reaktion ist zunächst Unverständnis und dann Anklage. Von dort, von wo wir als Letztes Gerechtigkeit erhoffen, von dort kommt sie aber nicht! Was tun? In der Bergpredigt gibt Jesus einen Hinweis, der zwar nicht so ganz befriedigen kann, mit dem wir aber versuchen können, Wege zu finden, um mit Ungerechtigkeiten zu leben. Jesus sagt: »Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde und bittet für die, die euch verfolgen, damit ihr Kinder seid eures Vaters im Himmel. Denn er lässt seine Sonne aufgehen über Böse und Gute und lässt regnen über Gerechte und Ungerechte.« (Matthäus 5,44-45)
Vor Gott sind alle Menschen gleich, die Sonne scheint auf alle und auch den Regen bekommen alle ab. Ganz gleich, wie wir leben, oder was wir tun, ob wir egoistisch sind oder anderen Menschen zugewandt, wir sind alle den gleichen Naturgewalten ausgesetzt und müssen mit und unter diesen Bedingungen leben. So gesehen haben alle die gleichen Voraussetzungen. Jetzt kommt es darauf an, wie wir damit umgehen. Das Leben an sich ist wichtig. Die Weisung Jesu zeigt in diese Richtung:
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»Selbst wenn es ungerecht erscheint, dann tu du wenigstens alles dafür, dass es nicht so weitergeht. Vieles kannst du nicht beeinflussen, aber du kannst lernen, damit umzugehen.« Die Feindesliebe, von der Jesus in diesem Zusammenhang spricht ist sicherlich die Spitze dieses Verhaltens, aber nur in dieser Kompromisslosigkeit kann sie gelebt werden. Ist Gott an allem schuld? Das ist unwichtig, es liegt nicht im Verantwortungsbereich Gottes, was unter uns Menschen geschieht, sondern wir sind hier mit unseren Kräften Möglichkeiten gefragt. Nicht Gott wird es richten, sondern wir!
 
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Perspektiven öffnen

Eine auf den ersten Blick unverständliche Darstellung am Mose-Fries an der Autobahnkirche. Zwischen Mose und seiner Schwester Miriam findet sich eine Konstruktionszeichnung, in der auf der Fläche ein tiefer Raum aufgezogen wird. Möglich wird das durch die Konstruktion eines Fluchtpunktes, die die Malerei zur Zeit der Renaissance revolutioniert hat. Mit einem Fluchtpunkt erreicht man eine Perspektive und die Fläche bekommt räumliche Tiefe. Es ist der Versuch in der zweiten Dimension das darzustellen, was wir als dreidimensional wahrnehmen. Genau genommen ist es eine Sinnestäuschung. Mit der angeblichen Tiefe gewinnen wir eine neue Perspektive. Die vier Flächen um das Rechteck in der Mitte haben eine Funktion. Durch die leeren Trapeze, die Längs- und Querschraffur wird der Blick automatisch auf die Mitte gelenkt und zwar hinter die Mitte, die man nicht sieht, auf die Linien aber zulaufen. Der räumliche Eindruck wird verstärkt. Der Fluchtpunkt wird zum Fokus, an dem sich alles ausrichtet.
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