Schmerzensmann

Wenn Menschen bestraft werden, dann ist es üblich, sie in ihrer Schande auch bloß zu stellen. Eine Praxis, die sich bis heute nicht geändert hat. Wurden früher Verurteilte öffentlich verhöhnt und verspottet, so ist das heute subtiler. Es sind jetzt eher Berichte über das Leben oder das Umfeld, die Menschen ihrer Würde berauben und sie letztlich der Verachtung preisgeben. Das Schicksal von Jesus macht da keine Ausnahme. Er wurde gefoltert, er wurde öffentlich zur Schau gestellt und vor den Augen aller hingerichtet mit einem schändlichen Tod. Selbstwert, Ehre und Würde werden einem Menschen in den letzten Stunden seines Lebens geraubt, ja auch der Tod durch den Henker ist Teil dieses perfiden Schauspiels.
Emil Wachter stellt in der Krypta der Autobahnkirche Jesus nach dem Gespräch mit Pilatus dar. Er wird als Karikatur eines Königs vorgeführt, mit Dornenkrone und rotem Mantel. Mit den Worten »Ecce homo - Seht den Menschen« bringt er Jesus vor die Menschenmenge und lässt sie ihn verspotten. (Johannes 19,4-6) Diese Verhöhnung in der Öffentlichkeit ist der Tiefpunkt im Leben Jesu. Er hat keine Möglichkeiten, mehr, sich zu wehren und zu verteidigen. Er kann das weitere Vorgehen nicht mehr beeinflussen. Ab jetzt geht alles unweigerlich seinen Gang auf das Ende zu. So ist Jesus hier dargestellt. Sein Blick und seine Körperhaltung drücken Resignation aus. Er ist ausgeliefert, die Schnur, mit der seine Hände gefesselt sind, dienen als Leine, an der er vorgeführt wird. Die Dornenkrone und der rote Mantel sind alles andere als Würdezeichen, sie dienen nur noch Hohn und Spott. Uns sind solche Bilder, wie gesagt, immer noch vertraut.
Die öffentliche Bloßstellung gibt es immer noch, Menschen werden verhöhnt und verspottet. Es ist zwar ein Fortschritt, dass im modernen Rechtsstaat die Menschenwürde für jeden geachtet werden soll, aber das gelingt nicht immer. Je ungerechter ein Regime handelt, umso mehr braucht es die Verhöhnung der Opfer, um die sogenannten Rechtschaffenen bei der Stange zu halte. »Zu so einem gehöre ich nicht.« Das Schicksal von Jesus ist eine Mahnung, die Augen offen zu halten, und dort, wo Menschen, ganz gleich ob Täter oder Opfer ihrer Würde beraubt werden, Einspruch zu erheben. Alles andere schafft nur noch mehr Leid.
 
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Schlangenzauber

Wie ringt man einem störrischen Pharao Zugeständnisse für das eigene unterdrückte Volk ab? Mose und Aaron versuchen es mit verschiedenen Mitteln und dringen mit Vernunft nicht zum verstockten Herz des Pharaos durch. Sie wenden also einen Zaubertrick an. Es ist lediglich ein kleines Vorspiel, für all das, was noch kommen soll. Und es macht Eindruck, besonders wenn sich Magier miteinander messen:
»8 Der HERR sagte zu Mose und Aaron: 9 »Wenn euch der Pharao auffordert, euch durch ein Wunder auszuweisen, dann sagst du, Mose, zu Aaron: ›Nimm deinen Stock und wirf ihn vor dem Pharao auf den Boden!‹ Dann wird er zu einer Schlange werden.« 10 Mose und Aaron gingen zum Pharao und taten, was ihnen der HERR aufgetragen hatte. Aaron warf seinen Stock vor dem Pharao und seinen Ministern auf den Boden und er wurde zur Schlange. 11 Aber der Pharao rief seine Magier und Beschwörer, und sie vollbrachten mit ihren Zauberkünsten dasselbe. 12 Jeder von ihnen warf seinen Stock auf den Boden und er wurde zu einer Schlange. Doch Aarons Stock verschlang die Stöcke der Ägypter. 13 Trotzdem blieb der Pharao starrsinnig und schlug ihre Forderung ab, genau wie der HERR es vorausgesagt hatte.« (Exodus 7,8-13, Übersetzung Gute Nachricht)
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