Gott wartet

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Die Mandalas, die in der Autobahnkirche von Emil Wachter gestaltet wurden, laden zur stillen Betrachtung ein. Sie regen an, über Fragen des Glaubens nachzudenken und eigene Positionen zu finden. In diesem Fall lassen wir uns von Meister Eckhart inspirieren: Er schreibt: »Du brauchst Gott weder hier noch dort zu suchen; er ist nicht ferner als vor der Tür deines Herzens. Da steht er und harrt und wartet, wen er bereit finde, der ihm auftue und ihn einlasse. Du brauchst ihn nicht von weither herbei zu rufen; er kann es weniger erwarten als du, dass du ihm auftust. Es ist ein Zeitpunkt: Das Auftun und das Eingehen.« Wer Meister Eckhart kennt, der weiß, dass dies eines seiner Lieblingsthemen ist. Gott ist immer schon da, noch bevor wir uns auf die Suche nach Gott machen. Und Gott ist nicht außen, nicht dort, wo wir ihn suchen, sondern immer schon bei uns. Gott wartet auf uns, bis wir bereit sind, Gott zu entdecken. Das ist unsere edelste Aufgabe: den auf uns wartenden Gott zu entdecken. So geht die Mystik, für die Meister Eckhart steht, einen ganz anderen Weg, als wir es normalerweise gewohnt sind. Gewöhnlich machen wir uns auf und suchen nach einer Lösung. Wir sind aktiv dabei und gestalten die Suche nach bestem Wissen und Gewissen. Wir treffen Entscheidungen und tragen dann auch die Konsequenzen der Suche. Meister Eckhart sagt, dass wir all das lassen können. Wir finden Gott nicht durch aktives Suchen und Entscheiden, sondern durch stilles und geduldiges Warten, so wie Gott es uns vormacht. Wir finden nicht Gott, sondern Gott findet uns.
Wir sind aufgefordert, unsere Sichtweise der Dinge und das eigene Vorgehen grundlegend zu ändern. Wir sollen aufhören, zu suchen, wir brauchen das nicht, denn Gott ist ja schon da. Und wir können den Blick nach innen richten, denn dort sind wir am seltensten.
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Gerade an dem Ort, an dem wir uns ganz nahe sind, dort finden wir Gott. Eine Frage bleibt nach Meister Eckhart noch: Was ist denn eigentlich mit diesem Ziel gemeint: Gott entdecken, Gott auftun und Gott einlassen? Das ist nur noch ein einziger Vorgang, jedes der drei schließt die anderen ganz mit ein. Das Mandala ist in seiner Struktur ganz einfach, aber durch die Konzentration auf die Mitte komme ich immer wieder bei mir selbst an, ganz gleich mit welchen Fragen ich mich aufmache. Gott wartet auf uns!
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Bilderwelt der Autobahnkirche
 
  

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Eine auf den ersten Blick unverständliche Darstellung am Mose-Fries an der Autobahnkirche. Zwischen Mose und seiner Schwester Miriam findet sich eine Konstruktionszeichnung, in der auf der Fläche ein tiefer Raum aufgezogen wird. Möglich wird das durch die Konstruktion eines Fluchtpunktes, die die Malerei zur Zeit der Renaissance revolutioniert hat. Mit einem Fluchtpunkt erreicht man eine Perspektive und die Fläche bekommt räumliche Tiefe. Es ist der Versuch in der zweiten Dimension das darzustellen, was wir als dreidimensional wahrnehmen. Genau genommen ist es eine Sinnestäuschung. Mit der angeblichen Tiefe gewinnen wir eine neue Perspektive. Die vier Flächen um das Rechteck in der Mitte haben eine Funktion. Durch die leeren Trapeze, die Längs- und Querschraffur wird der Blick automatisch auf die Mitte gelenkt und zwar hinter die Mitte, die man nicht sieht, auf die Linien aber zulaufen. Der räumliche Eindruck wird verstärkt. Der Fluchtpunkt wird zum Fokus, an dem sich alles ausrichtet.
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