Da ist Nichts

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Es sind einfache Mandalas, die wir an der Decke der Krypta in der Autobahnkirche finden. Das Wort »Mandala« stammt aus dem Sanskrit und bezeichnet ganz einfach einen Kreis. Im Hinduismus und später auch im Buddhismus dienten diese Kreisbilder zur Sammlung und Meditation. Sie entstanden als Bilder aus gefärbtem Sand auf dem Boden, die nach ihrer Fertigstellung wieder zusammengefegt wurden. Manchmal viereckig, meist rund haben Mandals Eingang in unsere westliche Kultur gefunden. Wir beschreiben damit Meditationsbilder, die auf ihre Mitte hin konzentriert sind. Das außen hilft dabei, sich auf die Mitte zu konzentrieren oder den Blick, wie auf diesem Deckenbild von Emil Wachter, in die Mitte zu lenken. In diesem Fall aber ist die Mitte - leer.
Für Meditierende ist das nicht verwunderlich, denn ihre Erfahrung zeigt, dass das Ziel und Zentrum der Meditation nicht beschrieben, geschweige gefasst werden kann. Der leere Kreis wird deshalb auch in der Zen-Meditation als Ausdruck der grundlegenden Erfahrung verwendet. Du strebst Nichts an, du willst Nichts, versuchst, Nichts zu denken. Das Nichts als Kern unserer Bemühungen widerstrebt unserem Denken. Wir möchten gerne viel, am besten alles erreichen. Wir möchten Wissen und Erfahrung vermehren, wir suchen nach immer neuer Erkenntnis und möchten auch, dass es uns und unseren Nachkommen immer besser geht. Unser Streben ist auf ein Mehr gerichtet. Das mag für eine materielle Welt ausreichen. Dieses Streben ist an sich nicht schlecht, wir brauchen diese Absicherung. Aber ist das dann alles? Dieses Mandala weist uns mit der leeren Mitte darauf hin, dass es mehr gibt als das, was wir ergründen können.
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Wir können versuchen, all das, was uns vordergründig bestimmt, beiseite zu lassen und uns auf das einlassen, was uns Angst macht. Was ist der Sinn des Lebens? Warum bin ich auf der Welt? Was ist der Ziel des Ganzen? Diese Fragen haben die Menschheit seit ihren Anfängen begleitet. Die Antworten, die gefunden wurden, hatten nur eine begrenzte Gültigkeit. Die Antwort muss uns bewusst bleiben. Nur so haben Menschen einen Weg gefunden, damit zu leben. Es geht nicht darum, feste und allgemeingültige Antworten zu finden, sondern darum, dass wir lernen, mit unbeantwortbaren Fragen zu leben. Sind wir bereit, uns diese Fragen zu stellen?
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Bilderwelt der Autobahnkirche
 
  

Perspektiven öffnen

Eine auf den ersten Blick unverständliche Darstellung am Mose-Fries an der Autobahnkirche. Zwischen Mose und seiner Schwester Miriam findet sich eine Konstruktionszeichnung, in der auf der Fläche ein tiefer Raum aufgezogen wird. Möglich wird das durch die Konstruktion eines Fluchtpunktes, die die Malerei zur Zeit der Renaissance revolutioniert hat. Mit einem Fluchtpunkt erreicht man eine Perspektive und die Fläche bekommt räumliche Tiefe. Es ist der Versuch in der zweiten Dimension das darzustellen, was wir als dreidimensional wahrnehmen. Genau genommen ist es eine Sinnestäuschung. Mit der angeblichen Tiefe gewinnen wir eine neue Perspektive. Die vier Flächen um das Rechteck in der Mitte haben eine Funktion. Durch die leeren Trapeze, die Längs- und Querschraffur wird der Blick automatisch auf die Mitte gelenkt und zwar hinter die Mitte, die man nicht sieht, auf die Linien aber zulaufen. Der räumliche Eindruck wird verstärkt. Der Fluchtpunkt wird zum Fokus, an dem sich alles ausrichtet.
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