Gut gehimmelt, gut geerdet

Als Menschen tragen wir laut dem zweiten Schöpfungsbericht die Erde im Namen: Adam leitet sich vom hebräischen adamah = Erdboden ab. Der Mensch wurde aus Erde geschaffen, so lesen wir im zweiten Kapitel im Buch Genesis. Diesen Bezug drücken wir auch aus, wenn wir Menschen beisetzen und Erde mit ins Grab geben: »Von der Erde bist du genommen, zur Erde kehrst du zurück.« Es ist einfach, uns als Menschen der Erde zu verstehen, auch wenn wir uns oft genug darüber erheben. Die Erde stellt auch das dar, was wir wissenschaftlich sind: Materie. Da steckt das Wort mater, lateinisch für Mutter, drin. Aus Materie sind wir geschaffen, heute sagt man, dass wir Sternenstaub sind, dass heißt, wir sind aus dem gemacht, was seit 16 Milliarden Jahren in mehreren Sonnengenerationen ausgebrütet wurde. Sternenstaub, Materie, Erdboden, das sind wir und damit können wir auch eine Beziehung aufbauen. Und wir stehen auch auf der Erde, sie gibt uns Halt und lässt uns fest stehen. Die Schwerkraft macht es möglich, dass wir überhaupt leben können. Wir sind gut geerdet. Und darauf legen wir Wert. Ein Mensch, der gut im Leben steht, ist gut geerdet. Der Mensch ist das, worauf er steht.
Wie ist es aber mit dem anderen, dem Himmel? Wenn wir auf der Erde stehen, können wir uns aufrichten und ausstrecken in das, was wir Himmel nennen. Aber da ist es mit der Beziehung etwas schwieriger. Was Himmel ist, wissen wir nicht so recht. Es ist mehr als das, was uns über die Erde erhebt.
Wir können den Himmel nicht greifen, nicht beweisen, er ist im wahrsten Sinne des Wortes weit weg. Aber wir spüren, dass da etwas ist, in dem wir leben und das uns genauso beeinflusst wie die Erde. Wir können, wenn wir uns aufrichten, nicht nur gegen die Schwerkraft angehen, sondern wir strecken uns auch bewusst in den Himmel auf. Wir können uns damit auch als Menschen bezeichnen, die gehimmelt sind, wenn es uns gelingt diese Beziehung aufzubauen. Wir brauchen beides, den Himmel und die Erde, wir müssen uns himmeln und erden. Wir sind geerdet und gehimmelt. So leben wir auch in beiden, im Himmel als auch auf Erden.
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Bilderwelt der Autobahnkirche
 
  

Perspektiven öffnen

Eine auf den ersten Blick unverständliche Darstellung am Mose-Fries an der Autobahnkirche. Zwischen Mose und seiner Schwester Miriam findet sich eine Konstruktionszeichnung, in der auf der Fläche ein tiefer Raum aufgezogen wird. Möglich wird das durch die Konstruktion eines Fluchtpunktes, die die Malerei zur Zeit der Renaissance revolutioniert hat. Mit einem Fluchtpunkt erreicht man eine Perspektive und die Fläche bekommt räumliche Tiefe. Es ist der Versuch in der zweiten Dimension das darzustellen, was wir als dreidimensional wahrnehmen. Genau genommen ist es eine Sinnestäuschung. Mit der angeblichen Tiefe gewinnen wir eine neue Perspektive. Die vier Flächen um das Rechteck in der Mitte haben eine Funktion. Durch die leeren Trapeze, die Längs- und Querschraffur wird der Blick automatisch auf die Mitte gelenkt und zwar hinter die Mitte, die man nicht sieht, auf die Linien aber zulaufen. Der räumliche Eindruck wird verstärkt. Der Fluchtpunkt wird zum Fokus, an dem sich alles ausrichtet.
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