Melodie des Schreckens

Bilderwelt 198 ABK Fenster O - Klaviatur des Todes 1zu5.jpg
Das Tier aus der Apokalypse, wie es in der Ostfront der Fenster in der Autobahnkirche dargestellt ist, sitzt an einem Tisch und steuert den Schrecken. Es sieht aus, wie jemand, der am Klavier sitzt und spielt. So können wir uns das auch vorstellen. Alles, was geschieht, hat einen Sinn und wird von höchster Seite dirigiert. Hier ist das Böse am Werk und verrichtet präzise seine Arbeit. Immer wieder wurden Menschen mit diesem Wesen identifiziert. Kaum ein Tyrann, der nicht mit dem höllischen Wesen aus der Offenbarung verglichen wurde, und der Vergleich lag ja nahe. Ähnlich wie dieses Wesen Schrecken verbreitet hat, haben Tyrannen und Diktatoren ihre Macht ausgeübt und auf Gewalt aufgebaut. Und sie haben es verstanden, ihre Schreckensmelodie zu spielen.
Gibt es diese Melodie? Die Darstellung von Emil Wachter zeigt es. Allerdings hören wir sie nicht, wir können sie nur ahnen. Auf diesem Klavier gibt es keine weißen, nur schwarze Tasten. Die Krallen an den Fingern sehen hart und spitz aus, als sollte man auch hören, wie die Tasten angeschlagen werden. Es ist eine mehrstimmige und missklingende Melodie, denn jeder Finger spielt einen Ton und sie klingen alle zusammen. Wir hören sie, in den Schreien der Opfer, im Klagen derer, die um ihre ermordeten Angehörigen weinen, in den anklagenden Blicke derer, die hungern, aber auch im Trommelfeuer der Maschinengewehrsalven, im Donnern der Kanonen, im Brummen der Flugzeugmotoren, im kurzen Aufheulen der Drohnen kurz vor dem Einschlag, im dumpfen Klang von Detonationen der Bomben, im verzweifelten Hilfeschrei von Menschen, die verfolgt und gejagt werden oder vor Bombenterror fliehen.
Bilderwelt 198 Lageplan.jpg
Man kann die Liste noch lange fortsetzen. Es ist eine vielstimmige Melodie, in der Täter und Opfer miteinander Schrecken verbreiten. Es ist die Musik einer friedlosen Welt, die wir nicht hören wollen, die aber immer wieder an unsere Ohren dringt. Hören wir sie noch oder haben wir gelernt, sie zu ignorieren? Dieses Fenster an der Autobahnkirche erinnert uns daran, dass wir nie vergessen, dass Böses weltweit geschieht. Es hält uns wach. Hören wir hin und überhören sie nicht, diese Schreckensmelodie!
Ansprechpartner
Kalender
Bilderwelt der Autobahnkirche
 
  

Perspektiven öffnen

Eine auf den ersten Blick unverständliche Darstellung am Mose-Fries an der Autobahnkirche. Zwischen Mose und seiner Schwester Miriam findet sich eine Konstruktionszeichnung, in der auf der Fläche ein tiefer Raum aufgezogen wird. Möglich wird das durch die Konstruktion eines Fluchtpunktes, die die Malerei zur Zeit der Renaissance revolutioniert hat. Mit einem Fluchtpunkt erreicht man eine Perspektive und die Fläche bekommt räumliche Tiefe. Es ist der Versuch in der zweiten Dimension das darzustellen, was wir als dreidimensional wahrnehmen. Genau genommen ist es eine Sinnestäuschung. Mit der angeblichen Tiefe gewinnen wir eine neue Perspektive. Die vier Flächen um das Rechteck in der Mitte haben eine Funktion. Durch die leeren Trapeze, die Längs- und Querschraffur wird der Blick automatisch auf die Mitte gelenkt und zwar hinter die Mitte, die man nicht sieht, auf die Linien aber zulaufen. Der räumliche Eindruck wird verstärkt. Der Fluchtpunkt wird zum Fokus, an dem sich alles ausrichtet.
Facebook Like-Box
 Social-Media-Inhalte aktivieren
Veranstaltungen
Di. 02.06.2026
Kontemplation
Di. 09.06.2026
Kontemplation
Di. 16.06.2026
Kontemplation
Di. 23.06.2026
Kontemplation
Di. 30.06.2026
Kontemplation

weitere Veranstaltungen ...
Schott Messbuch
Sonn- und Feiertagsgeläut
Meldungen der Erzdiözese
Aktuelles
Pfingstmontag, 25. Mai 2026
Hier können Sie sich den Meldebogen für das  "Buch der Verkehrstoten" herunterladen und uns zusenden.