Schreiende Ungerechtigkeit

Wir haben heute den Anspruch, dass wir in einer weitgehend gerechten Gesellschaft leben. Aber wir werden tagtäglich mit Ungerechtigkeiten konfrontiert. Manche sind so groß, dass sie zum Himmel schreien. Wahrscheinlich können wir Ungerechtigkeiten nicht vermeiden, immer dort, wo ein Ausgleich zwischen verschiedenen Interessen gesucht werden muss, wird es auch Entscheidungen, geben, die von einzelnen als ungerecht empfunden werden. Meistens dann, wenn sie zum Nachteil gereichen oder ich zumindest keinen Vorteil für mich aus dieser Entscheidung ziehe. Also heißt es doch, dass wir lernen müssen, mit Ungerechtigkeiten zu leben. Mit allen?
Wir müssen unterscheiden zwischen denen, die entstehen, weil wir unseren Alltag regeln müssen, damit das Zusammenleben funktioniert. Kompromisse erfordern es, dass nicht alle Vorteile auf einer Seite liegen. Es gibt aber auch Entscheidungen, die Menschen in ihren Grundrechten bedrohen. Immer dann, wenn Ungerechtigkeit dazu führt, dass Menschenrechte verletzt werden, ist Widerstand notwendig. Hier betreten wir den Boden der großen Politik. Oft sind es ganze Systeme oder Gesellschaften, die die Ausübung der Menschenrechte einer bestimmten Gruppe, einer Minderheit, die aufgrund von Hautfarbe, Geschlecht, sexueller Orientierung oder sozialer Herkunft ausgegrenzt werden, nicht beachten und damit noch mehr für Ausgrenzung sorgen.
Die biblischen Autoren ergreifen immer wieder Partei für diese Rechtlosen. Die Propheten sehen Gott als jemanden, der für diese diskriminierten gesellschaftlichen Gruppen eintritt.
Es ist die edelste Aufgabe von Religionen und deren Anhänger im Besonderen, den Schrei nach Gerechtigkeit zu hören und ihm Geltung zu verschaffen. Wenn man sich dabei auf die biblische Botschaft berufen kann, wird dieser Schrei noch lauter, denn er wurde durch die Jahrhunderte hindurch immer wieder ausgestoßen. Schade eigentlich, dass es so sein muss. Und tröstlich, denn so zeigt sich auch, dass es zwar immer noch schreiende Ungerechtigkeit gibt, aber dass dieser Schrei nicht verstummen kann. Hoffentlich ist immer jemand da, der ihn auch hört!
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Bilderwelt der Autobahnkirche
 
  

Perspektiven öffnen

Eine auf den ersten Blick unverständliche Darstellung am Mose-Fries an der Autobahnkirche. Zwischen Mose und seiner Schwester Miriam findet sich eine Konstruktionszeichnung, in der auf der Fläche ein tiefer Raum aufgezogen wird. Möglich wird das durch die Konstruktion eines Fluchtpunktes, die die Malerei zur Zeit der Renaissance revolutioniert hat. Mit einem Fluchtpunkt erreicht man eine Perspektive und die Fläche bekommt räumliche Tiefe. Es ist der Versuch in der zweiten Dimension das darzustellen, was wir als dreidimensional wahrnehmen. Genau genommen ist es eine Sinnestäuschung. Mit der angeblichen Tiefe gewinnen wir eine neue Perspektive. Die vier Flächen um das Rechteck in der Mitte haben eine Funktion. Durch die leeren Trapeze, die Längs- und Querschraffur wird der Blick automatisch auf die Mitte gelenkt und zwar hinter die Mitte, die man nicht sieht, auf die Linien aber zulaufen. Der räumliche Eindruck wird verstärkt. Der Fluchtpunkt wird zum Fokus, an dem sich alles ausrichtet.
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