Gottes Thron steht im Himmel

In der jüdisch-christlichen Überlieferung wird Gott oft als König bezeichnet, Jesus selbst spricht ja von der Königsherrschaft Gottes, die mit seinem Kommen angebrochen ist. Und ein König hat einen Thron. Das wusste schon der Beter im Psalm 11. Dort heißt es: »Der Herr weilt in seinem heiligen Tempel, der Thron des Herrn ist im Himmel. Seine Augen schauen herab, seine Blicke prüfen die Menschen.« (Ps 11,4) Es ist ein tröstliches Bild, das da beschworen wird. Gott herrscht und blickt liebevoll auf die Gerechten, die Menschen, die nach seinen Geboten leben, und auf die ganze Schöpfung. Dieses Schauen ist kein bloßes Zuschauen, sondern das wohlwollende Beobachten eines Herrschers, der dann auch eingreift, wenn es notwendig wird. Der Ort, an dem der Thron steht, ist zwar im Himmel, aber das ist nicht so weit weg, sondern hier auf der Erde im Tempel. Mit dem Fenster an der Nordseite der Autobahnkirche hat Emil Wachter diesem Psalm eine sichtbare Gestalt verliehen. Hier, an diesem Ort, in dieser Kirche, in diesem Tempel steht der Thron Gottes, hier weilt Gott, hier ist Gott zuhause und gegenwärtig. Denn dort, wo der Thron steht, da ist auch Gott.
Der Thron wird zum Sinnbild für die liebende Sorge Gottes für sein Volk. Der Thron repräsentiert die Gegenwart Gottes in unserer Welt. Jedesmal, wenn wir diese Kirche betreten, treten wir gleichsam in den Thronsaal Gottes ein und können die Gegenwart Gottes erleben.
Zugegeben, das sind große Worte und Behauptungen, die nicht bewiesen werden können, aber es sind Verheißungen, denen wir, wenn sie schon im Raum stehen, folgen können. Es liegt an uns, was wir daraus machen. Suchen wir hier die Gegenwart Gottes? Sehen wir uns als im Thronsaal Gottes stehend? Es kommt immer auf die Betrachtung an. Der leere Thron wirft viele Fragen auf, aber er hat auch eine tröstliche Verheißung: »Gott ist für dich da.«
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Bilderwelt der Autobahnkirche
 
  

Perspektiven öffnen

Eine auf den ersten Blick unverständliche Darstellung am Mose-Fries an der Autobahnkirche. Zwischen Mose und seiner Schwester Miriam findet sich eine Konstruktionszeichnung, in der auf der Fläche ein tiefer Raum aufgezogen wird. Möglich wird das durch die Konstruktion eines Fluchtpunktes, die die Malerei zur Zeit der Renaissance revolutioniert hat. Mit einem Fluchtpunkt erreicht man eine Perspektive und die Fläche bekommt räumliche Tiefe. Es ist der Versuch in der zweiten Dimension das darzustellen, was wir als dreidimensional wahrnehmen. Genau genommen ist es eine Sinnestäuschung. Mit der angeblichen Tiefe gewinnen wir eine neue Perspektive. Die vier Flächen um das Rechteck in der Mitte haben eine Funktion. Durch die leeren Trapeze, die Längs- und Querschraffur wird der Blick automatisch auf die Mitte gelenkt und zwar hinter die Mitte, die man nicht sieht, auf die Linien aber zulaufen. Der räumliche Eindruck wird verstärkt. Der Fluchtpunkt wird zum Fokus, an dem sich alles ausrichtet.
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