Wer gibt, wer nimmt?

»Alles ist Geben und Nehmen.« Das ist ein Allgemeinplatz. Aber ist es wirklich so? Sicherlich kann man nicht sagen, dass es immer ausgeglichen zugeht. Oft hat man das Gefühl, dass man mehr gibt als dass man selbst bekommt. Dabei kommt es aber auf die Sichtweise an. Was bedeutet mir etwas? Von was profitiere ich? Wenn ich diese Kosten-Nutzen-Rechnung für mich aufstellen kann, dann ist es einfach, für mich zu klären, was ich gebe und wieviel ich bekomme. In jeder Art von Beziehung wird es so ausgehandelt. Und wenn man am Ende sagen, dass es ausgeglichen zugeht, dann hat man viel erreicht oder eine gute Art und Weise des Umgangs miteinander geschaffen.
Schön, wenn es so funktioniert. Aber das ist nicht immer der Fall. Gerade in kapitalistischen Gesellschaften hat man oft den Eindruck, dass dieses ausgewogene Verhältnis von Geben und Nehmen nicht mehr existiert. Am Noah-Turm thematisiert Emil Wachter genau diese Frage. Er formuliert zwei kurze Sätze: Wer gibt? Wer nimmt? Die beiden Fragezeichen stehen zentral und zeigen, dass es keine feste Antwort gibt. Sicherlich ist es so, dass jeder gibt und jeder nimmt. Aber ist es ausgewogen? Wird beispielsweise meine Arbeitskraft ausreichend und gebührend belohnt? Bekomme ich das, was ich verdiene oder werde ich mit kleinen Almosen abgespeist?
Immer dann, wenn es um die Schöpfung geht, dann ist auch ein Idealzustand im Blick. Nach der Sintflut wäre ein Neuanfang möglich gewesen, aber die guten Absichten haben nicht lange gehalten. Immer droht, dass das Gefüge der Schöpfung zerbricht. Deshalb müssen wir diese Frage des Gebens und Nehmens nicht nur auf unsere menschlichen materiellen und ideellen Beziehungen bezogen lesen, sondern auf die ganze Schöpfung. Wieviel gibt die Natur, wieviel und was nimmt sich der Mensch? Wie kommen wir da zu einem ausgewogenen Verhältnis?
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Wenn Abraham alle Menschen als Stammvater umfasst, kommt eine Botschaft heraus, wie sie besser nicht formuliert werden kann. Sie zieht sich durch die Heilige Schrift wie ein roter Faden. Beim Propheten Jesaja hört sie sich so an: »18b Der HERR sagt: »Die Zeit kommt, dass ich die Menschen aller Völker und Sprachen versammle. Sie alle werden zu mir kommen und meine Herrlichkeit sehen. 19 Ich werde ein Zeichen unter ihnen aufrichten und Boten zu ihnen senden – Menschen aus allen Völkern, die sich mir angeschlossen haben. Zu den fernsten Küsten sende ich meine Boten, nach Tarschisch, Put und Lud, nach Meschech, Tubal und Jawan. Unter den Völkern, die noch nichts von mir gehört und meine herrlichen Taten nicht gesehen haben, sollen sie meinen Ruhm bekannt machen. 20 Wenn sie zurückkehren, werden sie alle eure Brüder und Schwestern mitbringen, die noch unter den Völkern zerstreut sind. Auf Pferden, Maultieren und Dromedaren, in Wagen und Sänften werden dann aus aller Welt die Zerstreuten meines Volkes zu meinem heiligen Berg nach Jerusalem gebracht werden, als eine Opfergabe der Völker für mich, den HERRN – so wie ihr Israeliten eure Speiseopfer in reinen Gefäßen zu meinem Tempel bringt. « (Jesaja 66,18b-20, Übersetzung Gute Nachricht).
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