Freiheit? Aber bitte in Maßen

Der Ruf nach Freiheit ist in Notsituationen immer sehr groß. Dann spielen Freiheitssymbole, wie die Taube hier am Mose-Turm eine wichtige Rolle. Freiheit wird meist mit großen Opfern erkämpft. Wenn sie aber erreicht wurde, dann zeigt sich ein anderes Gesicht. Freiheit ist nicht nur ein Geschenk, das uns Menschen zusteht, und ein wichtiger Teil der Menschenrechte und Menschenwürde. Freiheit ist eine Aufgabe, ein wertvolles und zerbrechliches Gut, das geschützt werden muss.
Das Volk Israel macht diese Erfahrung auf ihrem vierzigjährigen Wüstenzug immer wieder. Die Unterdrückung in Ägypten war unerträglich. So schien der Weg in die Freiheit, den Mose ihnen angeboten hat, der einzige Weg in eine gute Zukunft. Als sie dann aber die Freiheit erleben dürfen, spüren sie auch die Bürde, die ihnen damit auferlegt wurde. Wer frei ist, muss selbst denken, muss Entscheidungen treffen und sie vertreten. Der Ruf nach den Fleischtöpfen Ägyptens wird größer. Die Vergangenheit wird verklärt, so schlimm war es doch gar nicht. Und als wir unterdrückt wurden, waren wir zwar nicht frei, aber wir hatten genügend zu essen. Die Freiheitshelden werden plötzlich zu Verrätern am eigenen Volk und müssen sich beißender Kritik stellen. Zum Glück hat das Volk Israel immer wieder die richtigen Schritte getan und sich die Freiheit bewahrt. Der Zug durch die Wüste war eine Lehre im Durchhalten der geschenkten Freiheit. Deshalb wird die Befreiungsaktion in Ägypten noch heute als Pessach gefeiert und an das vorherige Sklavendasein erinnert, das sie mithilfe von Mose abgestreift haben.
Das ist keine einzelne Erfahrung. Wahrscheinlich ging es allen Freiheitsbewegungen so. So bald die Unterdrückungssituation überwunden war, gab es Rückschläge, weil die wenigsten mit diesem Geschenk umgehen konnten. Dann ist es gut, wenn es Menschen gibt, die daran erinnern und noch mehr, die sich dafür einsetzen, diese Freiheit zu erhalten. Die Sorge um eine gute Debattenkultur, in der zugehört und argumentiert wird, in der miteinander nach den besten Lösungen gesucht wird, statt den eigenen Willen durchzusetzen, gehört dazu. Auch das Gespür für Situationen und Handeln, das auf einmal gefordert ist. Und vor allem mit der Taube eine Vision von einem gelungenen Leben.
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Dazugehören

Wenn Abraham alle Menschen als Stammvater umfasst, kommt eine Botschaft heraus, wie sie besser nicht formuliert werden kann. Sie zieht sich durch die Heilige Schrift wie ein roter Faden. Beim Propheten Jesaja hört sie sich so an: »18b Der HERR sagt: »Die Zeit kommt, dass ich die Menschen aller Völker und Sprachen versammle. Sie alle werden zu mir kommen und meine Herrlichkeit sehen. 19 Ich werde ein Zeichen unter ihnen aufrichten und Boten zu ihnen senden – Menschen aus allen Völkern, die sich mir angeschlossen haben. Zu den fernsten Küsten sende ich meine Boten, nach Tarschisch, Put und Lud, nach Meschech, Tubal und Jawan. Unter den Völkern, die noch nichts von mir gehört und meine herrlichen Taten nicht gesehen haben, sollen sie meinen Ruhm bekannt machen. 20 Wenn sie zurückkehren, werden sie alle eure Brüder und Schwestern mitbringen, die noch unter den Völkern zerstreut sind. Auf Pferden, Maultieren und Dromedaren, in Wagen und Sänften werden dann aus aller Welt die Zerstreuten meines Volkes zu meinem heiligen Berg nach Jerusalem gebracht werden, als eine Opfergabe der Völker für mich, den HERRN – so wie ihr Israeliten eure Speiseopfer in reinen Gefäßen zu meinem Tempel bringt. « (Jesaja 66,18b-20, Übersetzung Gute Nachricht).
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