Folterknechte

Wer durch das Abrahamstor in die Autobahnkirche geht, kommt an einem verstörendem Bild vorbei. Unter der Überschrift »Sodom und Gomorrha« wird eine Folterszene gezeigt. Und Emil Wachter spart nicht mit Schrecken und Schmerz, wenn er zeigt, wie Menschen einem Hilflosen Leid und Qual zufügen. Sodom und Gomorrha meint in seiner Vorstellung nicht den freien Umgang mit Sexualität, sondern all das, wo Menschen einander das Leben unmöglich machen und die Lebensgrundlagen zerstören. Folter ist eine Methode, in der es nicht nur darum geht, Menschen zu einer Aussage zu zwingen, sondern auch um sie zu erniedrigen, ihren Willen zu brechen und die eigene Macht auszuleben. So wurde und wird sie seit Menschengedenken eingesetzt. Wir denken, dass wir schon weiter wären, aber die Wirklichkeit spricht eine andere Sprache.
Dass heute noch immer gefoltert wird, ist nur deshalb möglich, weil es Menschen gibt, die Folter nicht nur zulassen, sondern sie auch anordnen. Sicherlich sind dies die wahren Schuldigen, die zur Rechenschaft gezogen werden müssen. Es gibt aber auch die willfährigen Handlanger, die, aus welchen Gründen auch immer, diese Befehle ausführen. Auch sie haben Mitschuld und können sich nicht auf die Struktur von Befehl und Gehorsam herausreden. Wer gewalttätig gegen andere ist, holt auch für sich etwas heraus und handelt nicht nur aus Gehorsam heraus, sondern befriedigt auch eigene Interessen.
Schließlich gibt es auch die Gesellschaft, die um Folterpraktiken weiß - und schweigt. Diese »Schweigende Mehrheit« ist es, die Folter in großem Umfang erst ermöglicht. Warum wird geschwiegen? Aus Angst, selbst Opfer zu werden? Aus der Hoffnung heraus, dass dadurch Ruhe ins Land einkehrt oder Erkenntnisse gewonnen werden können, um im besten Fall Verbrechen aufzuklären? Oder auch nur weil es uns scheinbar nicht angeht? Auf diese Weise sind wir alle betroffen und auch mitschuldig, selbst wenn wir keine ausgesprochenen Folterknechte sind.
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Bilderwelt der Autobahnkirche
 
  

Perspektiven öffnen

Eine auf den ersten Blick unverständliche Darstellung am Mose-Fries an der Autobahnkirche. Zwischen Mose und seiner Schwester Miriam findet sich eine Konstruktionszeichnung, in der auf der Fläche ein tiefer Raum aufgezogen wird. Möglich wird das durch die Konstruktion eines Fluchtpunktes, die die Malerei zur Zeit der Renaissance revolutioniert hat. Mit einem Fluchtpunkt erreicht man eine Perspektive und die Fläche bekommt räumliche Tiefe. Es ist der Versuch in der zweiten Dimension das darzustellen, was wir als dreidimensional wahrnehmen. Genau genommen ist es eine Sinnestäuschung. Mit der angeblichen Tiefe gewinnen wir eine neue Perspektive. Die vier Flächen um das Rechteck in der Mitte haben eine Funktion. Durch die leeren Trapeze, die Längs- und Querschraffur wird der Blick automatisch auf die Mitte gelenkt und zwar hinter die Mitte, die man nicht sieht, auf die Linien aber zulaufen. Der räumliche Eindruck wird verstärkt. Der Fluchtpunkt wird zum Fokus, an dem sich alles ausrichtet.
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