Rettendes Wasser

Wo finden wir das, was wir zum Leben brauchen? Wie kommen wir zu dem, was uns das Überleben sichert. Diese Frage hat das Volk Israel auf dem 40-jährigen Zug durch die Wüste immer wieder beschäftigt. Und sie haben daran gezweifelt, ob sie noch auf dem richtigen Weg sind und ob sich die Flucht aus Ägypten auszahlen wird. Not und Mangel brachten sie an ihre Grenzen. Der Durst im wörtlichen Sinn hätte sie fast dazu gezwungen, wieder umzukehren. Wenn das Leben bedroht ist, wird die Vergangenheit beschworen, denn da war alles besser.
In solchen Situationen ist es gut, wenn Menschen wie Moses zur Stelle sind, die wissen wo und wie man das Überleben sichern kann. Er wusste um die versteckten Wasserreserven in der Wüste. Er kannte die Quellen, aus denen Lebenskraft kommt. Mit seinem Stab schlägt er gegen einen Stein und Wasser fließt heraus. Diese Menschen, die so handelten, wurden in der Vergangenheit Propheten genannt - und so heißen sie noch heute.
Propheten wissen um die verborgenen Quellen des Lebens. Sie kennen unbekannte Zugänge und sie haben die Fähigkeit, diese Quellen zu öffnen und anderen zugänglich zu machen. Ihnen verdanken wir, dass wir weiterleben können. Aber das ist nur die halbe Wahrheit. Denn wenn diese Quellen einmal zugänglich gemacht wurden, dann liegt es an uns, wie wir sie nützen. Da helfen keine Propheten weiter. Denn wer darum weiß, woher wir Lebenskraft bekommen, der kann nur noch nach vorne schauen. Wer sich mit den Quellen des Lebens verbunden weiß, kann weiterleben. Er oder sie hat noch Hoffnung. Erst wenn wir von allen Lebenskräften abgeschnitten sind, verlieren wir die Zukunft.
Wenn es Menschen gibt, die uns die Quellen zum rettenden Wasser zeigen, dann ist das ein wichtiger erster Schritt. Wir können dieses Wissen nutzen, uns zu eigen machen und aus diesen Quellen schöpfen. Es reicht nicht, nur gegen Felsen zu schlagen, wir brauchen auch die Fähigkeit, dieses Wasser zu schöpfen und zu trinken. Nur so bleiben wir lebendig.
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Bilderwelt der Autobahnkirche
 
  

Perspektiven öffnen

Eine auf den ersten Blick unverständliche Darstellung am Mose-Fries an der Autobahnkirche. Zwischen Mose und seiner Schwester Miriam findet sich eine Konstruktionszeichnung, in der auf der Fläche ein tiefer Raum aufgezogen wird. Möglich wird das durch die Konstruktion eines Fluchtpunktes, die die Malerei zur Zeit der Renaissance revolutioniert hat. Mit einem Fluchtpunkt erreicht man eine Perspektive und die Fläche bekommt räumliche Tiefe. Es ist der Versuch in der zweiten Dimension das darzustellen, was wir als dreidimensional wahrnehmen. Genau genommen ist es eine Sinnestäuschung. Mit der angeblichen Tiefe gewinnen wir eine neue Perspektive. Die vier Flächen um das Rechteck in der Mitte haben eine Funktion. Durch die leeren Trapeze, die Längs- und Querschraffur wird der Blick automatisch auf die Mitte gelenkt und zwar hinter die Mitte, die man nicht sieht, auf die Linien aber zulaufen. Der räumliche Eindruck wird verstärkt. Der Fluchtpunkt wird zum Fokus, an dem sich alles ausrichtet.
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