Verantwortungslos

Kein Mensch will gerne schuld sein, denn wer schuld ist, der muss auch die Verantwortung für etwas übernehmen und die Konsequenzen tragen. Und, Hand aufs Herz, das, was wir als Schuldgefühle kennen, das tut uns nicht gut. Deshalb ist es eine normale Reaktion, Schuld abzuweisen und die Verantwortung jemandem anderen zuzuschieben. Die Reaktion, die von Pilatus berichtet wird, dass er seine Hände in Unschuld wäscht, ist eine für uns Menschen typische Geste, besonders typisch für unsere Zeit.
Der Vorgang des Händewaschens ist im übertragenen Sinn ein Reinigungsritus, man wäscht sich rein und trägt dann auch keine Verantwortung mehr. Und umgekehrt scheint es ja auch zu funktionieren: wenn ich keine Verantwortung trage, dann kann mich auch keine Schuld treffen. In unseren Zeiten eine gängige Praxis: Versicherungen sichern sich ab, Unternehmen, die eine Aufgabe durchführen, versuchen, so wenig wie möglich in Haftung zu geraten. Es werden Berge von Formularen benötigt, um eine eventuell eintretende Haftung auszuschließen. Alle wollen ihre Hände in Unschuld waschen, und wir wissen doch, dass das nicht geht. Sicherlich kann man eine Schuld leugnen, »Ich bin ja nicht schuld!«, aber so richtig hilft uns das nicht weiter. Wenn ich meinen Blick auf die Verantwortung lenke, die ich übernehme, wenn ich etwas tue oder eine Beziehung eingehe, dann sieht das schon anders aus. Verantwortung werde ich nicht so einfach los. Ich kann mich oder andere auch nicht von einer Verantwortung freisprechen. Aber darum geht es ja nicht. Vielleicht ist es heute notwendiger denn je, dass man nicht aus der Angst vor dem Schuldigwerden alles sein lässt, sondern dass ich bereit bin, Verantwortung zu übernehmen und nach neuen Wegen suche, wie ich mit einer Schuld, die ich damit unter Umständen auf mich nehme, umgehen kann.

Quelle: Norbert Kasper

Wenn wir keine gute Form für Versöhnung und Aussöhnung finden, dann müssen wir uns nicht wundern, dass niemand Verantwortung übernehmen will, und jede und jeder froh ist, wenn man die Verantwortung los ist. Das ist verantwortungslos.
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Schlangenzauber

Wie ringt man einem störrischen Pharao Zugeständnisse für das eigene unterdrückte Volk ab? Mose und Aaron versuchen es mit verschiedenen Mitteln und dringen mit Vernunft nicht zum verstockten Herz des Pharaos durch. Sie wenden also einen Zaubertrick an. Es ist lediglich ein kleines Vorspiel, für all das, was noch kommen soll. Und es macht Eindruck, besonders wenn sich Magier miteinander messen:
»8 Der HERR sagte zu Mose und Aaron: 9 »Wenn euch der Pharao auffordert, euch durch ein Wunder auszuweisen, dann sagst du, Mose, zu Aaron: ›Nimm deinen Stock und wirf ihn vor dem Pharao auf den Boden!‹ Dann wird er zu einer Schlange werden.« 10 Mose und Aaron gingen zum Pharao und taten, was ihnen der HERR aufgetragen hatte. Aaron warf seinen Stock vor dem Pharao und seinen Ministern auf den Boden und er wurde zur Schlange. 11 Aber der Pharao rief seine Magier und Beschwörer, und sie vollbrachten mit ihren Zauberkünsten dasselbe. 12 Jeder von ihnen warf seinen Stock auf den Boden und er wurde zu einer Schlange. Doch Aarons Stock verschlang die Stöcke der Ägypter. 13 Trotzdem blieb der Pharao starrsinnig und schlug ihre Forderung ab, genau wie der HERR es vorausgesagt hatte.« (Exodus 7,8-13, Übersetzung Gute Nachricht)
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