Regen fällt auf die Welt

Jeder kennt das Gefühl, wenn es lange nicht geregnet hat und endlich die ersten erlösenden Tropfen fallen. Die Erleichterung, die uns Menschen dann erfüllt, ist körperlich spürbar. Auch das Gegenteil ist mindestens genauso eindrücklich, wenn es nicht aufhören will mit regnen. Dann ist es nicht die erlösende Geste, wenn sich die Hände zum Himmel recken. Jetzt sind es Verzweiflung und Angst, die unser Handeln bestimmen. Die Zerstörungen, die das Wasser angerichtet hat, die Existenzen, die die Fluten vernichtet haben, zeugen von der unheimlichen Kraft, die von einem Zuviel an Regen ausgehen kann.
Es die Zwiespältigkeit, mit der wir die Natur erleben, die uns manchmal erschreckt. Zwischen der Ermöglichung und der Zerstörung von Leben finden wir alles. Und wir sind diesen Gewalten dann hilflos ausgeliefert. Wir erleben die Natur und können nur darauf reagieren. Als Menschen, die gerne alles in der Hand haben wollen, fällt es uns schwer, das zu akzeptieren. Aber es ist eine Grundbedingung des Lebens. Wir sind nicht Herren der Welt, schon gar nicht Herren des Lebens. Vieles, was uns begegnet oder besser widerfährt, können wir nicht beeinflussen. Wir müssen es aushalten und ertragen.
Es ist deshalb eine wichtige Haltung, die wir entwickeln können: Das Leben ist, wie es ist, die Welt ist so, wie sie ist. Das ist keine Resignation, sondern eine wichtige Grundeinstellung. Der Regen fällt nur jetzt. Ich kann ihn nur jetzt erleben und spüren. Die Nässe auf der Hand, den Druck der einzelnen
Wassertropfen spüre ich nur jetzt auf der Haut. Je nachdem, was geschieht, sind die Folgen gut oder schlecht (für uns). Aber ganz gleich, wie diese Folgen sind, ich kann und ich muss es jetzt erleben. Das Gefühl von Regen ist nur jetzt erfahrbar. Ob es uns zum Guten gereicht oder nicht, das liegt nicht in unserer Macht. Also sollten wir uns darauf einlassen. Erst wenn ich etwas ganz erfahren habe, dann finde ich auch Wege, wie ich damit umgehen kann.
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Bilderwelt der Autobahnkirche
 
  

Perspektiven öffnen

Eine auf den ersten Blick unverständliche Darstellung am Mose-Fries an der Autobahnkirche. Zwischen Mose und seiner Schwester Miriam findet sich eine Konstruktionszeichnung, in der auf der Fläche ein tiefer Raum aufgezogen wird. Möglich wird das durch die Konstruktion eines Fluchtpunktes, die die Malerei zur Zeit der Renaissance revolutioniert hat. Mit einem Fluchtpunkt erreicht man eine Perspektive und die Fläche bekommt räumliche Tiefe. Es ist der Versuch in der zweiten Dimension das darzustellen, was wir als dreidimensional wahrnehmen. Genau genommen ist es eine Sinnestäuschung. Mit der angeblichen Tiefe gewinnen wir eine neue Perspektive. Die vier Flächen um das Rechteck in der Mitte haben eine Funktion. Durch die leeren Trapeze, die Längs- und Querschraffur wird der Blick automatisch auf die Mitte gelenkt und zwar hinter die Mitte, die man nicht sieht, auf die Linien aber zulaufen. Der räumliche Eindruck wird verstärkt. Der Fluchtpunkt wird zum Fokus, an dem sich alles ausrichtet.
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