Ich mache alles neu!

Ist es ein Thema für Religionen, dass sich alles verändert? Kann Veränderung ein wichtiges, vielleicht das wichtigste Thema der Religion sein? Normalerweise stehen Religionen für das Traditionelle, für die Überlieferung und die möglichst genaue und unveränderte Weitergabe von Glaubenswissen. Schreibt man der Religion diese Aufgabe zu, dass sie für die Bewahrung des Bestehenden verantwortlich ist, dann ist der Satz: »Ich mache alles neu!« aus dem letzten Kapitel der Apokalypse eine Provokation.
Was würde es bedeuten, wenn man der Religion die Aufgabe der Veränderung zuschreibt? Wir müssten uns dem stellen, was Tradition ist. Vor allem geht es darum, welche Bedeutung die schriftliche Überlieferung und die Praxis, die über Generationen weitergegeben wurde, hat. Der Komponist Gustav Mahler hat einmal folgenden Satz geprägt: »Tradition ist nicht die Anbetung der Asche, sondern die Weitergabe der Glut.« Er spricht von einer umwälzenden Energie der Tradition. Hier kommt die verändernde Kraft von Religion zum Tragen. Wenn unsere Praxis nicht immer neu geschaffen wird, wenn wir nicht das, was wir von den Vorfahren übernommen haben, in unsere Zeit übersetzen und an unsere Nachkommen weitergeben, dann hat Glaube und Religion keine Chance mehr. Wir können getrost darauf vertrauen, dass wir nicht alles selbst tun müssen. Traditionen werden von Gemeinschaften begründet, nicht von Einzelnen und sie werden auch von Gemeinschaften getragen. Das gleiche gilt für anstehende Veränderungen.
In der Apokalypse lesen wir noch eine andere Zusage: Neues hat eine andere Quelle. Göttliche Geistkraft ist es, die Neues schafft. Wir dürfen dem trauen, mehr können wir nicht tun. Lassen  wir dieses Wirken zu, dann wird alles neu.
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Wenn Abraham alle Menschen als Stammvater umfasst, kommt eine Botschaft heraus, wie sie besser nicht formuliert werden kann. Sie zieht sich durch die Heilige Schrift wie ein roter Faden. Beim Propheten Jesaja hört sie sich so an: »18b Der HERR sagt: »Die Zeit kommt, dass ich die Menschen aller Völker und Sprachen versammle. Sie alle werden zu mir kommen und meine Herrlichkeit sehen. 19 Ich werde ein Zeichen unter ihnen aufrichten und Boten zu ihnen senden – Menschen aus allen Völkern, die sich mir angeschlossen haben. Zu den fernsten Küsten sende ich meine Boten, nach Tarschisch, Put und Lud, nach Meschech, Tubal und Jawan. Unter den Völkern, die noch nichts von mir gehört und meine herrlichen Taten nicht gesehen haben, sollen sie meinen Ruhm bekannt machen. 20 Wenn sie zurückkehren, werden sie alle eure Brüder und Schwestern mitbringen, die noch unter den Völkern zerstreut sind. Auf Pferden, Maultieren und Dromedaren, in Wagen und Sänften werden dann aus aller Welt die Zerstreuten meines Volkes zu meinem heiligen Berg nach Jerusalem gebracht werden, als eine Opfergabe der Völker für mich, den HERRN – so wie ihr Israeliten eure Speiseopfer in reinen Gefäßen zu meinem Tempel bringt. « (Jesaja 66,18b-20, Übersetzung Gute Nachricht).
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