Wer beherrscht die Welt?

Nicht nur in unserer Zeit stellt sich die Frage nach dem Herrscher der Welt. Zu allen Zeiten gab es Könige und Machthaber, die den Anspruch erhoben haben, die ganze Welt zu beherrschen oder das die Sonne in ihrem reich nie unterginge. Lange blieb diese Herrschaft aber nicht bestehen, nach kurzer Zeit sind diese großen Reiche wieder zusammengebrochen und der weltweite Herrschaftsanspruch wurde wieder an andere weitergegeben oder der Thron blieb, wie es wohl die meiste Zeit war, unbesetzt.
Emil Wachter stellt in der Autobahnkirche einen leeren Thron dar. Warum ist er nicht besetzt? Ich glaube, dass uns diese Frage nicht weiterbringt. Vielleicht sollten wir uns eher einmal die Frage stellen, wer auf diesem leeren Thron Platz nehmen soll. Gibt es einen Herrscher, dem ich diesen Platz zugestehen würde? Dahinter steht auch die Frage, wie ich mir eine gute Herrschaft über die Welt vorstelle - wenn ich das überhaupt brauche.
Wer sll auf dem leeren Thron Platz nehmen? Wenn ich diesen Platz für Gott reserviere, dann muss ich mich fragen, ob ich mich dieser göttlichen Herrschaft unterstellen will. Der Wille Gottes steht dann über meinem Willen und ich hoffe oder glaube, dass sich das Gute letzten Endes durchsetzt. Aber es geht nicht nach mir und meinen Überzeugungen. Nicht viel besser ist es, wenn wir den Thron der Welt dem Teufel überantworten, wie es in der Geschichte immer wieder getan wurde. Der Gegenspieler Gottes herrscht und lässt  das Böse Macht gewinnen. Aber auch da gewinne ich nichts. Schließlich könnte ich ja auch den Menschen im Allgemeinen auf diesen Thron setzen, aber sind wir dazu überhaupt reif und fähig?
All diese Fragen legen den Schluss nahe, ob dieser Thron überhaupt besetzt werden muss. Wenn es einen Herrscher gibt, dann heißt das immer Unterordnung. In den seltensten Fällen gereicht das zum Wohl aller. Wenn der Thron nicht besetzt wird, dann haben alle ihren Teil beizutragen. Und dann geht es nicht um Herrschen, sondern darum, Verantwortung zu übernehmen und zu tragen.
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Bilderwelt der Autobahnkirche
 
  

Perspektiven öffnen

Eine auf den ersten Blick unverständliche Darstellung am Mose-Fries an der Autobahnkirche. Zwischen Mose und seiner Schwester Miriam findet sich eine Konstruktionszeichnung, in der auf der Fläche ein tiefer Raum aufgezogen wird. Möglich wird das durch die Konstruktion eines Fluchtpunktes, die die Malerei zur Zeit der Renaissance revolutioniert hat. Mit einem Fluchtpunkt erreicht man eine Perspektive und die Fläche bekommt räumliche Tiefe. Es ist der Versuch in der zweiten Dimension das darzustellen, was wir als dreidimensional wahrnehmen. Genau genommen ist es eine Sinnestäuschung. Mit der angeblichen Tiefe gewinnen wir eine neue Perspektive. Die vier Flächen um das Rechteck in der Mitte haben eine Funktion. Durch die leeren Trapeze, die Längs- und Querschraffur wird der Blick automatisch auf die Mitte gelenkt und zwar hinter die Mitte, die man nicht sieht, auf die Linien aber zulaufen. Der räumliche Eindruck wird verstärkt. Der Fluchtpunkt wird zum Fokus, an dem sich alles ausrichtet.
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