Sarah lacht

Verschmitzt lachen sehen wir Sarah, hinter einem Vorhang versteckt. Sie belauscht das Gespräch, das ihr Mann Abraham mit den drei Boten Gottes führt. Und was sie hört, das ist wirklich lächerlich. Sie soll im hohen Alter noch ein Kind bekommen. Das ist unrealistisch. Sie hatte doch ihr ganzes Leben lang gehofft und gebetet, der Kinderwunsch der beiden wurde nicht erfüllt. Und jetzt, wo sie die Hoffnung schon längst aufgegeben haben, soll sie schwanger werden, wo sie doch schon längst die zeit überschritten hat, in der sie Kinder bekommen kann. Sarah ist hier so modern wie wir. Es kann nicht sein, was nicht geht. Es kann nichts anderes sein, als das, was wir wissen oder zu wissen glauben.
Sarah kann diese Botschaft, die sie heimlich mithört, nicht ernstnehmen, sie kann das Lachen nicht zurückhalten. Und natürlich auch mit gutem Grund. Ist das aber ein gutes Beispiel für Unglauben? Ist dieses Lachen ein Ausdruck mangelnden Vertrauens in das, was Gottes Wille ist? So einfach ist es auch wieder nicht. Ihre Reaktion ist menschlich verständlich und nachvollziehbar. Soll denn das, was Gott will allem dem widersprechen, was wir kennen. Ist es wieder einmal so weit, dass der Wille Gottes alle Naturgesetze außer Kraft setzt? Und ausgerechnet Sarah soll es treffen? Nein, das kann nicht sein. Das ist die menschliche Reaktion darauf und Sarah hat Recht!
Wir kennen ähnliche Geschichten aus der Bibel, in denen Frauen auf ungewohnte Weise, se es sehr spät oder ohne einen Mann schwanger werden. Im Neuen Testament finden wir die Geschichte von Elisabeth, die im Alter noch Johannes empfängt, und von Maria, die ohne dass sie mit einem Mann zusammen war, mit Jesus schwanger wird. Beide lassen sich auf das Geschehen ein, auch wenn sie Zweifel haben. So macht es auch Sarah, es bleibt ihr ja nichts anderes übrig. Es ist passiert, warum auch immer. Dahinter steht das Vertrauen in die Zukunft. Geht es weiter? Nehmen wir die Zukunft mit ihren Versprechungen ernst?
Können wir uns auch auf Dinge einlassen, die aus jetziger Sicht noch unvorstellbar oder gar unmöglich sind? Genaugenommen gibt es ohne dieses Vertrauen keine wirkliche Zukunft. Es bleibt uns wohl nichts übrig, als uns darauf einzulassen, auch wenn es zunächst einmal zum Lachen ist.
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Bilderwelt der Autobahnkirche
 
  

Perspektiven öffnen

Eine auf den ersten Blick unverständliche Darstellung am Mose-Fries an der Autobahnkirche. Zwischen Mose und seiner Schwester Miriam findet sich eine Konstruktionszeichnung, in der auf der Fläche ein tiefer Raum aufgezogen wird. Möglich wird das durch die Konstruktion eines Fluchtpunktes, die die Malerei zur Zeit der Renaissance revolutioniert hat. Mit einem Fluchtpunkt erreicht man eine Perspektive und die Fläche bekommt räumliche Tiefe. Es ist der Versuch in der zweiten Dimension das darzustellen, was wir als dreidimensional wahrnehmen. Genau genommen ist es eine Sinnestäuschung. Mit der angeblichen Tiefe gewinnen wir eine neue Perspektive. Die vier Flächen um das Rechteck in der Mitte haben eine Funktion. Durch die leeren Trapeze, die Längs- und Querschraffur wird der Blick automatisch auf die Mitte gelenkt und zwar hinter die Mitte, die man nicht sieht, auf die Linien aber zulaufen. Der räumliche Eindruck wird verstärkt. Der Fluchtpunkt wird zum Fokus, an dem sich alles ausrichtet.
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