Was wachsen muss

Quelle: Norbert Kasper

»Er muss wachsen, ich aber muss kleiner werden.« (Joh 3,30) Mit diesen Worten antwortet Johannes der Täufer auf die Aussage seiner Anhänger, die Jesus beobachtet haben, als er wie Johannes am Jordan taufte. Johannes vermeidet damit eine Auseinandersetzung mit Jesus und weist sich den zweiten Platz hinter Jesus zu. Inwieweit das mit der historischen Wirklichkeit übereinstimmt, kann hier nicht erörtert werden. Zumindest wird durch den Verfasser des Johannes-Evangeliums eine eindeutige Stellungnahme zugunsten von Jesus getroffen. Und es kommt auch eine wichtige Erkenntnis zum Tragen: Wenn etwas Neues auftaucht, muss etwas Altes verschwinden. Im Johannes-Evangelium räumt Johannes das Feld, um Jesus den Vorrang zu geben.
Emil Wachter hat am Fries an der Westseite der Autobahnkirche diesen Satz von Johannes aufgegriffen und sehr einfach dargestellt. Zwei Ähren, die sich ausweichen. Anstatt sich zu begegnen und auf die unausweichliche Konfrontation zuzusteuern, gehen beide in eine andere Richtung. Wer ist jetzt derjenige, der wachsen muss. Wer muss kleiner werden? Das wird nicht deutlich und es spielt wohl auch keine Rolle. Emil Wachter muss sich nicht entscheiden. Er begibt sich zeitlich vor die Entscheidung, bevor sich ein Weg durchgesetzt hat. 

So wie er den drohenden Konflikt sieht, gibt es für beide eine gute Lösung, nicht einer wächst auf Kosten des anderen, sondern beiden wird Wachstum ermöglicht. Beide können wachsen, es gibt Gewinner, und keine Verlierer. So kommt eine neues Sichtweise ins Spiel, die beiden gerecht wird. Eine Sichtweise, die auch dem Evangelium von Jesus entspricht. Beides muss wachsen können.

Ansprechpartner
Kalender
Bilderwelt der Autobahnkirche
 
  

Perspektiven öffnen

Eine auf den ersten Blick unverständliche Darstellung am Mose-Fries an der Autobahnkirche. Zwischen Mose und seiner Schwester Miriam findet sich eine Konstruktionszeichnung, in der auf der Fläche ein tiefer Raum aufgezogen wird. Möglich wird das durch die Konstruktion eines Fluchtpunktes, die die Malerei zur Zeit der Renaissance revolutioniert hat. Mit einem Fluchtpunkt erreicht man eine Perspektive und die Fläche bekommt räumliche Tiefe. Es ist der Versuch in der zweiten Dimension das darzustellen, was wir als dreidimensional wahrnehmen. Genau genommen ist es eine Sinnestäuschung. Mit der angeblichen Tiefe gewinnen wir eine neue Perspektive. Die vier Flächen um das Rechteck in der Mitte haben eine Funktion. Durch die leeren Trapeze, die Längs- und Querschraffur wird der Blick automatisch auf die Mitte gelenkt und zwar hinter die Mitte, die man nicht sieht, auf die Linien aber zulaufen. Der räumliche Eindruck wird verstärkt. Der Fluchtpunkt wird zum Fokus, an dem sich alles ausrichtet.
Facebook Like-Box
 Social-Media-Inhalte aktivieren
Veranstaltungen
Di. 09.06.2026
Kontemplation
Di. 16.06.2026
Kontemplation
Di. 23.06.2026
Kontemplation
Di. 30.06.2026
Kontemplation

weitere Veranstaltungen ...
Schott Messbuch
Sonn- und Feiertagsgeläut
Meldungen der Erzdiözese
Aktuelles
Pfingstmontag, 25. Mai 2026
Hier können Sie sich den Meldebogen für das  "Buch der Verkehrstoten" herunterladen und uns zusenden.