Was wachsen muss

Quelle: Norbert Kasper

»Er muss wachsen, ich aber muss kleiner werden.« (Joh 3,30) Mit diesen Worten antwortet Johannes der Täufer auf die Aussage seiner Anhänger, die Jesus beobachtet haben, als er wie Johannes am Jordan taufte. Johannes vermeidet damit eine Auseinandersetzung mit Jesus und weist sich den zweiten Platz hinter Jesus zu. Inwieweit das mit der historischen Wirklichkeit übereinstimmt, kann hier nicht erörtert werden. Zumindest wird durch den Verfasser des Johannes-Evangeliums eine eindeutige Stellungnahme zugunsten von Jesus getroffen. Und es kommt auch eine wichtige Erkenntnis zum Tragen: Wenn etwas Neues auftaucht, muss etwas Altes verschwinden. Im Johannes-Evangelium räumt Johannes das Feld, um Jesus den Vorrang zu geben.
Emil Wachter hat am Fries an der Westseite der Autobahnkirche diesen Satz von Johannes aufgegriffen und sehr einfach dargestellt. Zwei Ähren, die sich ausweichen. Anstatt sich zu begegnen und auf die unausweichliche Konfrontation zuzusteuern, gehen beide in eine andere Richtung. Wer ist jetzt derjenige, der wachsen muss. Wer muss kleiner werden? Das wird nicht deutlich und es spielt wohl auch keine Rolle. Emil Wachter muss sich nicht entscheiden. Er begibt sich zeitlich vor die Entscheidung, bevor sich ein Weg durchgesetzt hat. 

So wie er den drohenden Konflikt sieht, gibt es für beide eine gute Lösung, nicht einer wächst auf Kosten des anderen, sondern beiden wird Wachstum ermöglicht. Beide können wachsen, es gibt Gewinner, und keine Verlierer. So kommt eine neues Sichtweise ins Spiel, die beiden gerecht wird. Eine Sichtweise, die auch dem Evangelium von Jesus entspricht. Beides muss wachsen können.

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Wenn Abraham alle Menschen als Stammvater umfasst, kommt eine Botschaft heraus, wie sie besser nicht formuliert werden kann. Sie zieht sich durch die Heilige Schrift wie ein roter Faden. Beim Propheten Jesaja hört sie sich so an: »18b Der HERR sagt: »Die Zeit kommt, dass ich die Menschen aller Völker und Sprachen versammle. Sie alle werden zu mir kommen und meine Herrlichkeit sehen. 19 Ich werde ein Zeichen unter ihnen aufrichten und Boten zu ihnen senden – Menschen aus allen Völkern, die sich mir angeschlossen haben. Zu den fernsten Küsten sende ich meine Boten, nach Tarschisch, Put und Lud, nach Meschech, Tubal und Jawan. Unter den Völkern, die noch nichts von mir gehört und meine herrlichen Taten nicht gesehen haben, sollen sie meinen Ruhm bekannt machen. 20 Wenn sie zurückkehren, werden sie alle eure Brüder und Schwestern mitbringen, die noch unter den Völkern zerstreut sind. Auf Pferden, Maultieren und Dromedaren, in Wagen und Sänften werden dann aus aller Welt die Zerstreuten meines Volkes zu meinem heiligen Berg nach Jerusalem gebracht werden, als eine Opfergabe der Völker für mich, den HERRN – so wie ihr Israeliten eure Speiseopfer in reinen Gefäßen zu meinem Tempel bringt. « (Jesaja 66,18b-20, Übersetzung Gute Nachricht).
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