Im Regen beten

05.11.2018 |

Eine Hand wird vertrauensvoll oder ängstlich in den Regen gehalten. Die Erfahrung des Lebens und die von Zerstörung und Tod kann so gemacht werden. Mit jedem Tropfen, der auf meine Haut trifft, kann ich Vielfältiges erfahren. Wärme und Kälte, Reinheit und Schmutz, Tod und Leben, all das steckt in der Erfahrung des Regens. Regen ist auch ein Bild, das für Gott verwendet wird. In der biblischen Tradition spricht man in diesem Zusammenhang vom »Allmächtigen Gott«. Gottes Wort fällt wie Regen auf die Welt und bewirkt etwas. Regen ist eines der Bilder für Gott und für das Handeln Gottes, das in der Welt erfahrbar ist. Wie der Regen ist Gott unverfügbar. Wir können Regen und schlechtes Wetter vorhersagen, aber ob es so kommt, wissen wir nicht. Noch weniger sind wir in der Lage, Regen zu machen, wir sind darauf angewiesen, wenn er fällt. Und ebenso sind wir auf die Gegenwart Gottes angewiesen, und darauf, dass wir Gott erfahren können, dass Gott sich zeigt.
In unsere Sprache haben wir für den Zustand des Regens auch eine Beschreibung. Selten nennen wir einen Grund, noch weniger einen Verursacher. Wir sagen nicht: »Der Regen fällt, weil...« Wir sprechen davon, dass »Es regnet!«. Wer da jetzt gerade regnet interessiert nicht, das ist ja auch nicht nachprüfbar oder unbedingt begründbar. Etwas geschieht, und zwar jetzt gerade.
Auch hier finden wir eine Parallele zu Gott. Gott ist da, es gottet. Wir haben keinen Einfluss darauf. Noch weniger wissen wir, was es mit uns macht, wie uns da geschieht.
Uns bleibt nur, damit und darin zu leben. Da reicht das Spektrum von Verzweiflung bis zum dankbaren Lobpreis. Vielleicht finden wir eine dankbare Haltung, so wie ich im Regen fröhlich singen kann: »I'm singing in the rain.« Und das ist gleichbedeutend mit »Ich bete in Gott, weil es gottet!«
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Bilderwelt der Autobahnkirche
 
  

Perspektiven öffnen

Eine auf den ersten Blick unverständliche Darstellung am Mose-Fries an der Autobahnkirche. Zwischen Mose und seiner Schwester Miriam findet sich eine Konstruktionszeichnung, in der auf der Fläche ein tiefer Raum aufgezogen wird. Möglich wird das durch die Konstruktion eines Fluchtpunktes, die die Malerei zur Zeit der Renaissance revolutioniert hat. Mit einem Fluchtpunkt erreicht man eine Perspektive und die Fläche bekommt räumliche Tiefe. Es ist der Versuch in der zweiten Dimension das darzustellen, was wir als dreidimensional wahrnehmen. Genau genommen ist es eine Sinnestäuschung. Mit der angeblichen Tiefe gewinnen wir eine neue Perspektive. Die vier Flächen um das Rechteck in der Mitte haben eine Funktion. Durch die leeren Trapeze, die Längs- und Querschraffur wird der Blick automatisch auf die Mitte gelenkt und zwar hinter die Mitte, die man nicht sieht, auf die Linien aber zulaufen. Der räumliche Eindruck wird verstärkt. Der Fluchtpunkt wird zum Fokus, an dem sich alles ausrichtet.
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