Hingabe

Es ist ein gängiges christliches Wort, aber was können wir uns darunter vorstellen und vor allem: Wie können wir zeigen, was wir damit meinen? Emil Wachter hat in der Krypta der Autobahnkirche einen Versuch gewagt. Ihm geht es in der Kreuzigungsszene um genau dieses Thema. Er hat das Kreuz auf den Querbalken reduziert, der von einer leeren Säule getragen wird. Das geneigte Haupt von Christus, umgeben von einem Heiligenschein und die beiden Hände, mehr braucht er nicht.
Jesus ist die Mitte. Darauf deutet der doppelte Heiligenschein hin. Die beiden Hände strecken sich geöffnet in die Welt hinein als wollten sie sagen: »Hier bin ich, mach mit mir, was Du willst.« Diese geöffneten und damit auch friedlichen Hände haben eine einfache Botschaft, die zutiefst mit der christlichen Botschaft verbunden ist. »Liebe Gott und liebe deinen Nächsten wie dich selbst.« Diese Hände sprechen für sich - und bleiben auf Jesus Christus bezogen.
Sie haben diese friedliche Botschaft und die Verpflichtung an jeden Betrachtenden: »Meine Hände sind Deine Hände, ich habe keine anderen. Es liegt an dir, was deine und damit meine Hände tun können und wie sie die Welt verändern.« Sie drücken auch die Verzweiflung und Verlassenheit Jesu am Kreuz aus. Es bleibt nichts mehr zu tun, die Hände sind da, leer, ausgestreckt.
Sie fassen aber auch die letzten Worte Jesu nach den verschiedenen Evangelien zusammen. Sie reichen von »Es ist vollbracht!« bis zum »Vater, in deine Hände empfehle ich meinen Geist.«. Jetzt ist es nicht mehr an Jesus, dass etwas geschieht, jetzt ist es das Handeln Gottes, auf das es ankommt. Menschen können nichts mehr tun - und von Gott wird alles erwartet oder besser ersehnt.
Und schließlich drücken diese Hände auch den Weg Jesu zu Gott aus. Sie sind leer und so kehrt er zu Gott zurück. Und so leer wie sie sind, sind darin doch alle Menschen und die ganze Welt einbezogen. Mit der Hingabe Jesu findet die Welt ihr Ziel, alles Leben ist Hingabe, die ganze Welt ist Hingabe, wie die zwei Hände.
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Perspektiven öffnen

Eine auf den ersten Blick unverständliche Darstellung am Mose-Fries an der Autobahnkirche. Zwischen Mose und seiner Schwester Miriam findet sich eine Konstruktionszeichnung, in der auf der Fläche ein tiefer Raum aufgezogen wird. Möglich wird das durch die Konstruktion eines Fluchtpunktes, die die Malerei zur Zeit der Renaissance revolutioniert hat. Mit einem Fluchtpunkt erreicht man eine Perspektive und die Fläche bekommt räumliche Tiefe. Es ist der Versuch in der zweiten Dimension das darzustellen, was wir als dreidimensional wahrnehmen. Genau genommen ist es eine Sinnestäuschung. Mit der angeblichen Tiefe gewinnen wir eine neue Perspektive. Die vier Flächen um das Rechteck in der Mitte haben eine Funktion. Durch die leeren Trapeze, die Längs- und Querschraffur wird der Blick automatisch auf die Mitte gelenkt und zwar hinter die Mitte, die man nicht sieht, auf die Linien aber zulaufen. Der räumliche Eindruck wird verstärkt. Der Fluchtpunkt wird zum Fokus, an dem sich alles ausrichtet.
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