Die Haut zum Markt tragen

Der Apostel Bartholomäus taucht auch unter dem Namen Natanaël in den Evangelien auf. Möglicherweise handelt es sich um Natanaël Bar Tolmai, Sohn des Tolmai. Er spielt keine besondere Rolle, er gehört als einer der Zwölf, die Jesus in seinen Jüngerkreis berufen hat. Am Anfang des Johannes-Evangeliums wird von ihm erzählt: »Philippus traf Natanaël und sagte zu ihm: Wir haben den gefunden, über den Mose im Gesetz und auch die Propheten geschrieben haben: Jesus aus Nazaret, den Sohn Josefs. Da sagte Natanaël zu ihm: Aus Nazaret? Kann von dort etwas Gutes kommen? Philippus antwortete: Komm und sieh! Jesus sah Natanaël auf sich zukommen und sagte über ihn: Da kommt ein echter Israelit, ein Mann ohne Falschheit. Natanaël fragte ihn: Woher kennst du mich? Jesus antwortete ihm: Schon bevor dich Philippus rief, habe ich dich unter dem Feigenbaum gesehen. Natanaël antwortete ihm: Rabbi, du bist der Sohn Gottes, du bist der König von Israel! Jesus antwortete ihm: Du glaubst, weil ich dir sagte, dass ich dich unter dem Feigenbaum sah? Du wirst noch Größeres sehen.« (Joh 1,45-50) Bartholomäus gehört zum engen Kreis um Jesus und damit auch zu den Zeugen der Auferstehung und den ersten Frauen und Männern, die das Evangelium verkündet haben. So soll er der Legende nach in Indien und Mesopotamien gewirkt haben. Schließlich erlitt er das Martyrium im heutigen Albanien. Dabei wurde ihm bei lebendigem Leib die Haut abgezogen. In vielen Darstellungen sieht man ihn mit der Haut und/oder einem Schermesser dargestellt.
In der Autobahnkirche sieht man ihn wie alle zwölf Apostel eher unauffällig ohne besondere Attribute. Ein Mensch von heute, der sich äußerlich nicht von der Masse unterscheidet. Kenntlich ist er nur durch seinen Namen - und damit ist auch seine Geschichte verbunden. Er ist der Verkünder, der seine Haut zu Markte trägt. Er zeigt sein Innerstes und macht sich angreifbar. Wahrscheinlich ist das die Erfahrung von allen Missionaren. Er, der für die frohe Botschaft einsteht, macht sich angreifbar, er verliert buchstäblich seine Haut. Können wir es ihm sprichwörtlich nachtun?
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Perspektiven öffnen

Eine auf den ersten Blick unverständliche Darstellung am Mose-Fries an der Autobahnkirche. Zwischen Mose und seiner Schwester Miriam findet sich eine Konstruktionszeichnung, in der auf der Fläche ein tiefer Raum aufgezogen wird. Möglich wird das durch die Konstruktion eines Fluchtpunktes, die die Malerei zur Zeit der Renaissance revolutioniert hat. Mit einem Fluchtpunkt erreicht man eine Perspektive und die Fläche bekommt räumliche Tiefe. Es ist der Versuch in der zweiten Dimension das darzustellen, was wir als dreidimensional wahrnehmen. Genau genommen ist es eine Sinnestäuschung. Mit der angeblichen Tiefe gewinnen wir eine neue Perspektive. Die vier Flächen um das Rechteck in der Mitte haben eine Funktion. Durch die leeren Trapeze, die Längs- und Querschraffur wird der Blick automatisch auf die Mitte gelenkt und zwar hinter die Mitte, die man nicht sieht, auf die Linien aber zulaufen. Der räumliche Eindruck wird verstärkt. Der Fluchtpunkt wird zum Fokus, an dem sich alles ausrichtet.
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