Heiliger Zorn

Ein Mensch wird erschlagen - und das auch noch vorsätzlich. Und es ist ein Religionsstifter, der diesen Mord verübt. Im zweiten Kapitel des Buches Exodus wird es kurz beschrieben: »Eines Tages ging Mose zu seinen Brüdern hinaus und schaute ihnen bei der Fronarbeit zu. Da sah er, wie ein Ägypter einen Hebräer schlug, einen seiner Stammesbrüder. Mose sah sich nach allen Seiten um, und als er sah, dass sonst niemand da war, erschlug er den Ägypter und verscharrte ihn im Sand.« (Ex 2,11-12). Eine Gewalttat, ein Mord für die gute Sache. Mose muss daraufhin fliehen und hat in der Wüste die Erscheinung mit dem brennenden Dornbusch. Ein Mord, der alles verändert und die Dinge voranbringt.
Ist Gewalt, wenn sie für die rechte Sache eingesetzt wird, gerechtfertigt oder nicht? Darf ein Mord sein, wenn dadurch die Heilsgeschichte weitergehen kann? Das sind Fragen, die sich die Menschen durch die Jahrhunderte immer wieder gestellt haben. Manchmal wurde Gewalt als gut geheißen, dann wieder abgelehnt. Meist nach den jeweiligen politischen Bedürfnissen. Es ist müßig, sich darüber Gedanken zu machen, wie eine Gerichtsverhandlung heute über den Fall Mose urteilen würde. Es ginge wohl zwischen Mord und Totschlag hin und her. Ganz unabhängig davon müssen wir aber auch fragen, ob das Töten eines Menschen, selbst wenn es dem Heilsplan dient, zugelassen werden kann. Ist das der Wille Gottes?
Wir wissen heute, dass Gewalt als Mittel der Konfliktlösung nicht die erste Wahl sein kann. Pazifismus und Friedensbewegungen haben im Weltmaßstab aufgezeigt, dass wir andere Wege suchen müssen. Und auch der private Bereich sollte ohne Gewalt auskommen.
Und Mose? Ist dieser Mensch ein Vorbild? Er ist einer, der seine Emotionen nicht im Griff hat, das sieht man auch im weiteren Verlauf der Geschichte. Mose ist ein Mensch mit Fehlern und er wird doch ausgewählt, sein Volk in die Freiheit zu führen. Wir können diesen Mord nicht gutheißen, aber wir tun uns schwer, über Mose zu richten.  Unsere Frage kann deshalb nur sein: Was tun wir heute, um Heil mehr Wirklichkeit zu geben. Ist da jedes Mittel recht?
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Bilderwelt der Autobahnkirche
 
  

Perspektiven öffnen

Eine auf den ersten Blick unverständliche Darstellung am Mose-Fries an der Autobahnkirche. Zwischen Mose und seiner Schwester Miriam findet sich eine Konstruktionszeichnung, in der auf der Fläche ein tiefer Raum aufgezogen wird. Möglich wird das durch die Konstruktion eines Fluchtpunktes, die die Malerei zur Zeit der Renaissance revolutioniert hat. Mit einem Fluchtpunkt erreicht man eine Perspektive und die Fläche bekommt räumliche Tiefe. Es ist der Versuch in der zweiten Dimension das darzustellen, was wir als dreidimensional wahrnehmen. Genau genommen ist es eine Sinnestäuschung. Mit der angeblichen Tiefe gewinnen wir eine neue Perspektive. Die vier Flächen um das Rechteck in der Mitte haben eine Funktion. Durch die leeren Trapeze, die Längs- und Querschraffur wird der Blick automatisch auf die Mitte gelenkt und zwar hinter die Mitte, die man nicht sieht, auf die Linien aber zulaufen. Der räumliche Eindruck wird verstärkt. Der Fluchtpunkt wird zum Fokus, an dem sich alles ausrichtet.
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