Kraft bekommen

Mose soll den Kampf seines Volkes unterstützen. Gott sagt ihm zu, dass er den Kriegern seines Volkes helfen kann, wenn er mit ausgebreiteten Armen dasteht: »Als dem Mose die Hände schwer wurden, holten sie einen Steinbrocken, schoben ihn unter Mose, und er setzte sich darauf. Aaron und Hur stützten seine Arme, der eine rechts, der andere links, so dass seine Hände erhoben blieben, bis die Sonne unterging.« (Exodus 17,12) Erst als ihm andere helfen und die Arme hochhalten, tragen die Israeliten schließlich den Sieg davon.
Mose kämpft nicht selbst in der Schlacht mit, er ist dafür zu alt. Er gibt seinem Volk aber die Unterstützung, die es braucht. Er steht als Schirmherr über den Unternehmungen seines Volkes. Sicherlich ist die kriegerische Ausrichtung der Erzählung mitzubedenken, es geht um einen Krieg, den das Volk Israel führt. Wir fragen heute eher, ob man das unterstützen darf. Aber die Frage, die dahinter steht, ist, woher und wie ich Kraft bekomme.
Göttlicher Beistand ist gut. Mose vertraut darauf. So heißt es ja auch im Psalm 72: »Ich erhebe meine Augen auf zu den Bergen. Woher kommt mir Hilfe? Meine Hilfe kommt vom Herrn, der Himmel und Erde geschaffen hat.«
Die Hilfe Gottes ist das Eine. Sie setzt aber auch das voraus, was wir als Menschen mitbringen. Unsere Unzulänglichkeiten lassen uns immer wieder an die Grenzen kommen. Wir brauchen dann die Hilfe von anderen. Und auf die können, ja müssen wir vertrauen, denn ohne diese erreichen wir nichts. Mose selbst gibt durch seine Haltung seinen Kämpfern Kraft und unterstützt sie auf diese Weise. Und dabei ist er auf die Hilfe anderer angewiesen. Hilfe von Menschen, Hilfe von Gott, wir brauchen beides.
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Bilderwelt der Autobahnkirche
 
  

Perspektiven öffnen

Eine auf den ersten Blick unverständliche Darstellung am Mose-Fries an der Autobahnkirche. Zwischen Mose und seiner Schwester Miriam findet sich eine Konstruktionszeichnung, in der auf der Fläche ein tiefer Raum aufgezogen wird. Möglich wird das durch die Konstruktion eines Fluchtpunktes, die die Malerei zur Zeit der Renaissance revolutioniert hat. Mit einem Fluchtpunkt erreicht man eine Perspektive und die Fläche bekommt räumliche Tiefe. Es ist der Versuch in der zweiten Dimension das darzustellen, was wir als dreidimensional wahrnehmen. Genau genommen ist es eine Sinnestäuschung. Mit der angeblichen Tiefe gewinnen wir eine neue Perspektive. Die vier Flächen um das Rechteck in der Mitte haben eine Funktion. Durch die leeren Trapeze, die Längs- und Querschraffur wird der Blick automatisch auf die Mitte gelenkt und zwar hinter die Mitte, die man nicht sieht, auf die Linien aber zulaufen. Der räumliche Eindruck wird verstärkt. Der Fluchtpunkt wird zum Fokus, an dem sich alles ausrichtet.
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