Warten

Heute muss es schnell gehen. Dann hält es auf, wenn man warten muss. Ja, Warten müssen ist unangenehm. Sei es in der Schlange vor der Kasse im Supermarkt, sei es im Wartezimmer beim Arzt, auf dem Bahnsteig auf den verspäteten Zug oder auch schon an der roten Ampel. Wenn wir warten müssen, verlieren wir Zeit. Warten passt nicht mehr in unsere Zeit.
Wir sind auch ungeduldig, wenn wir auf die Erfüllung eines Wunsches warten müssen oder wir nicht gleich das tun können, was wir wollen. Warten hindert uns daran, jetzt gerade glücklich zu sein. Ist das wirklich so? Kann Warten nicht auch zu einer Quelle des Glücks werden? An der Mose Treppe in der Autobahnkirche sehen wir die Darstellung einer sitzenden Frau. Sie hat sich in ihrer Position eingerichtete, als bliebe sie länger so sitzen. Diese Frau wartet. Dabei strahlt sie eine Ruhe aus, die ansteckend wirkt. Es ist die Haltung, die viele Menschen auch einnehmen, wenn sie beten. So wird aus der wartenden Haltung auch die Haltung des Gebetes. Und genaugenommen ist Beten ja nichts anderes als Warten. Betende warten darauf, dass sich Gottes Wille durchsetzt. Und dann ergreifen sie die Initiative und stehen auf.

Sich hinsetzen und es sich einigermaßen bequem machen und warten. Das kann beruhigen, wenn nichts anderes ist. Aber genau darum geht es. Sich Zeit nehmen und warten. Manchmal tut es gut, dieses Warten einzuüben. Dann wartet man auf Nichts. Diese Erfahrung hilft dann, wenn wir wirklich mal warten müssen, ebenso gelassen zu bleiben. Dann werden erzwungene Wartezeiten zur geschenkten Zeit, in der ich nichts anders tun muss als Warten.
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Bilderwelt der Autobahnkirche
 
  

Perspektiven öffnen

Eine auf den ersten Blick unverständliche Darstellung am Mose-Fries an der Autobahnkirche. Zwischen Mose und seiner Schwester Miriam findet sich eine Konstruktionszeichnung, in der auf der Fläche ein tiefer Raum aufgezogen wird. Möglich wird das durch die Konstruktion eines Fluchtpunktes, die die Malerei zur Zeit der Renaissance revolutioniert hat. Mit einem Fluchtpunkt erreicht man eine Perspektive und die Fläche bekommt räumliche Tiefe. Es ist der Versuch in der zweiten Dimension das darzustellen, was wir als dreidimensional wahrnehmen. Genau genommen ist es eine Sinnestäuschung. Mit der angeblichen Tiefe gewinnen wir eine neue Perspektive. Die vier Flächen um das Rechteck in der Mitte haben eine Funktion. Durch die leeren Trapeze, die Längs- und Querschraffur wird der Blick automatisch auf die Mitte gelenkt und zwar hinter die Mitte, die man nicht sieht, auf die Linien aber zulaufen. Der räumliche Eindruck wird verstärkt. Der Fluchtpunkt wird zum Fokus, an dem sich alles ausrichtet.
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