Engelsflügel

Wie können wir von einer anderen Wirklichkeit reden, zu der wir vielleicht einen Erfahrungszugang haben, für die uns aber die Worte fehlen? Die Menschen standen immer wieder vor dieser schier unlösbaren Aufgabe. Konkret gesprochen heißt das: »Wie können wir von Gott in menschlicher Sprache reden, wo uns jegliches Wissen fehlt?«
Auf diese Frage gibt es keine letztgültige Antwort, wie denn auch. Jeder Mensch muss wohl selbst entscheiden, ob eer eine finden will und wie sie aussehen kann. Dabei hilft der Blick in die Tradition der großen Religionen. Wenn vom Göttlichen die Rede ist, dann wird meist vom »Oben« gesprochen. Dieses kann vom Menschen ja nicht erreicht werden. Die einzigen Wesen, die diese Distanz scheinbar überbrücken können sind Vögel, sie kommen aber nicht in göttliche Sphären. Es braucht also Wesen, die den Graben zwischen der göttlichen Sphäre oben und der menschlichen oder weltlichen Sphäre unten überwinden können. Die geflügelten Wesen, die in der Nähe Gottes leben und immer wieder mit einem bestimmten Auftrag in die Welt geschickt werden, sind geboren: Die Engel. Symbol für die Engel sind die Flügel, weil sie damit den Graben überwinden.
Es war seit jeher der Traum des Menschen, diesen Graben zu überwinden. Dabei reicht es natürlich nicht aus, lediglich fliegen zu lernen. Wir können uns aber darin einüben, dass unser Geist Flügel bekommt, um
sich in die göttlichen Sphären zu erheben. Vielleicht können wir im Betrachten der Engelsflügel am Johannesturm unsere eigenen Flügel entdecken, die wir haben, mit denen wir in der Nähe Gottes leben. Solche symbolischen Darstellungen helfen, den Blick zu öffnen.
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Bilderwelt der Autobahnkirche
 
  

Perspektiven öffnen

Eine auf den ersten Blick unverständliche Darstellung am Mose-Fries an der Autobahnkirche. Zwischen Mose und seiner Schwester Miriam findet sich eine Konstruktionszeichnung, in der auf der Fläche ein tiefer Raum aufgezogen wird. Möglich wird das durch die Konstruktion eines Fluchtpunktes, die die Malerei zur Zeit der Renaissance revolutioniert hat. Mit einem Fluchtpunkt erreicht man eine Perspektive und die Fläche bekommt räumliche Tiefe. Es ist der Versuch in der zweiten Dimension das darzustellen, was wir als dreidimensional wahrnehmen. Genau genommen ist es eine Sinnestäuschung. Mit der angeblichen Tiefe gewinnen wir eine neue Perspektive. Die vier Flächen um das Rechteck in der Mitte haben eine Funktion. Durch die leeren Trapeze, die Längs- und Querschraffur wird der Blick automatisch auf die Mitte gelenkt und zwar hinter die Mitte, die man nicht sieht, auf die Linien aber zulaufen. Der räumliche Eindruck wird verstärkt. Der Fluchtpunkt wird zum Fokus, an dem sich alles ausrichtet.
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