Zugeschlagene Türen

Noah schließt die Türen der Arche und macht sich auf die lange Fahrt, um seine Familie und jeweils ein Tier jeder Gattung zu retten. Ihn soll die Flut nicht vernichten und das Leben auf der Welt soll weitergehen. So hören wir die Botschaft aus dem Buch Genesis. Diese Geschichte wird meist als Rettungsgeschichte und sie ist es ja auch. Doch da ist auch eine andere Dimension. Rettung für ein paar wenige und Tod und Vernichtung für die meisten anderen. Und das, weil sie nicht nach den Geboten Gottes gelebt haben? Da regt sich Widerspruch, dieses Vorgehen widerspricht unserem Gerechtigkeitsempfinden.
Gerade in Zeiten, in denen Abschottung und geschlossene Grenzen diskutiert werden, in denen ma liebsten jeder mit seinen eigenen Problemen klarkommen soll, ist die abgeschlossene Arche ein Zeichen für dieses - im wahrsten Sinne des Wortes - Verschließen. Die Türe der Arche werden geschlossen, niemand kommt mehr herein, wer zu spät ist oder wer nicht auserwählt ist, der hat Pech gehabt. Diese Lösung mag noch angehen, wenn man sich auf ein Weltbild beruft, indem der Gehorsam Gott gegenüber im Vordergrund steht. Aber ist das heute noch ein mögliches Vorgehen? Dürfen wir zulassen, dass die Tore geschlossen werden und viele Menschen, die zufällig oder auch durch eigenes Verschulden auf der falschen Seite stehen, vernichtet werden?
Wohl kaum. Und wir tun uns auch schwer, das aus religiöser Sicht zu akzeptieren. Wir denken da eher an Gott als Kraft, die rettend eingreift, die eben nicht die Türen zuschlägt, sondern alles Leben retten will. Es wäre schön, wenn Gott so eingreift. Wir sind aber auch gefragt, ob nicht wir es sind, die Türen zuschlagen. Stünde es uns nicht besser an, sie offen zu halten?
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Dazugehören

Wenn Abraham alle Menschen als Stammvater umfasst, kommt eine Botschaft heraus, wie sie besser nicht formuliert werden kann. Sie zieht sich durch die Heilige Schrift wie ein roter Faden. Beim Propheten Jesaja hört sie sich so an: »18b Der HERR sagt: »Die Zeit kommt, dass ich die Menschen aller Völker und Sprachen versammle. Sie alle werden zu mir kommen und meine Herrlichkeit sehen. 19 Ich werde ein Zeichen unter ihnen aufrichten und Boten zu ihnen senden – Menschen aus allen Völkern, die sich mir angeschlossen haben. Zu den fernsten Küsten sende ich meine Boten, nach Tarschisch, Put und Lud, nach Meschech, Tubal und Jawan. Unter den Völkern, die noch nichts von mir gehört und meine herrlichen Taten nicht gesehen haben, sollen sie meinen Ruhm bekannt machen. 20 Wenn sie zurückkehren, werden sie alle eure Brüder und Schwestern mitbringen, die noch unter den Völkern zerstreut sind. Auf Pferden, Maultieren und Dromedaren, in Wagen und Sänften werden dann aus aller Welt die Zerstreuten meines Volkes zu meinem heiligen Berg nach Jerusalem gebracht werden, als eine Opfergabe der Völker für mich, den HERRN – so wie ihr Israeliten eure Speiseopfer in reinen Gefäßen zu meinem Tempel bringt. « (Jesaja 66,18b-20, Übersetzung Gute Nachricht).
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