Niedergetreten

Ein bedrückendes Bild und so aktuell wie eh und je. Brutal wird der Kopf eines Menschen mit einem Soldatenstiefel niedergedrückt. Keine Möglichkeit, sich zu wehren, keine Chance auf ein Entkommen. Dieses Bild steht für die Unterdrückungserfahrungen, die zu jeder Zeit in der Menschheitsgeschichte gemacht wurden. Und es fallen uns wahrscheinlich genügend Orte der Erde ein, in denen genau jetzt und heute Menschen niedergehalten und unterdrückt werden.
Die Darstellung in der Krypta der Autobahnkirche wurde in den späten siebziger Jahren geschaffen, aus der leidvollen Erfahrung der damaligen Kriege, die mit all ihren Schrecken gewütet haben. Auch wenn der Soldatenstiefel kalt und unpersönlich ist, der unterdrückte Mensch hat ein Gesicht. Der Stiefel ist austauschbar, der unter der Gewalt leidende Mensch nicht. Es ist die Absicht von Systemen, in denen Menschen unterdrückt und gedemütigt werden, dass sie ihre Individualität und Persönlichkeit verlieren, Emil Wachter hat den GULAG als Beispiel für diese Form der Demütigung und Unterdrückung gewählt, der Begriff ist aber austauschbar. Aber - und hier greift die christliche Botschaft - jeder Mensch, der unterdrückt wird, hat ein Gesicht. Er ist ein Geschöpf Gottes und verdient es, beachtet zu werden. Wenn niemand ihn anschaut, Gott schaut ihn an und sieht ihn! Die niederdrückende Macht soll nicht das letzte Wort haben.
Es verbirgt sich die Aufforderung an uns, nicht der unpersönliche, anonymen
Macht das Wort reden, sondern denen unser Ohr und wenn möglich auch unsere Hand zu reichen, die dazu nicht mehr in der Lage sind. Es ist christliche Pflicht der Nächstenliebe, sich einzumischen. Wir sollten uns nicht hinter Verträgen und Dokumenten von Konferenzen, wie der KSZE-Schlusskonferenz in Helsinki 1975 verstecken.
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Bilderwelt der Autobahnkirche
 
  

Perspektiven öffnen

Eine auf den ersten Blick unverständliche Darstellung am Mose-Fries an der Autobahnkirche. Zwischen Mose und seiner Schwester Miriam findet sich eine Konstruktionszeichnung, in der auf der Fläche ein tiefer Raum aufgezogen wird. Möglich wird das durch die Konstruktion eines Fluchtpunktes, die die Malerei zur Zeit der Renaissance revolutioniert hat. Mit einem Fluchtpunkt erreicht man eine Perspektive und die Fläche bekommt räumliche Tiefe. Es ist der Versuch in der zweiten Dimension das darzustellen, was wir als dreidimensional wahrnehmen. Genau genommen ist es eine Sinnestäuschung. Mit der angeblichen Tiefe gewinnen wir eine neue Perspektive. Die vier Flächen um das Rechteck in der Mitte haben eine Funktion. Durch die leeren Trapeze, die Längs- und Querschraffur wird der Blick automatisch auf die Mitte gelenkt und zwar hinter die Mitte, die man nicht sieht, auf die Linien aber zulaufen. Der räumliche Eindruck wird verstärkt. Der Fluchtpunkt wird zum Fokus, an dem sich alles ausrichtet.
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