Lachen befreit

Es ist ein eher unscheinbares Bild, das uns am Johannes-Turm begegnet. Ja, und eines der vielen Gesichter, die Emil Wachter in Beton gegossen hat. Verschmitzt schaut es aus einem Spalt im Beton heraus, man kann es nicht ganz erkennen, man sieht nur das, worauf es ankommt. Ein lachender Mund und damit verbunden zwei strahlende Augen. So haben sich früher oft auch Künstler anonym mit einem Selbstbildnis in ihr Werk eingebracht.
Lachen tut gut, wir wissen das. Lachen ist gesund. Auch das ist allgemein verbreitet. Aber dürfen wir angesichts des Leides, das auf der Welt herrscht und das im Schicksal des Johannes - er wird auf Wunsch der Salome enthauptet - auch an diesem Turm gegenwärtig ist, überhaupt lachen? Wenn es einem nicht schon von alleine im Halse stecken bleibt! Nachrichten, die Weltlage und die Politik geben wenig Grund zum Lachen. Das ist aber auch nicht ihre Aufgabe. Wem steht es dann aber zu? Wer darf, soll oder muss sogar lachen?
Mit dem Lachen ist kein einfaches Sich-Lustig-machen über die Welt gemeint, da sind wir uns einig. Aber das Leben selbst ist ja schon ernst genug, da tut ein Lachen manchmal richtig gut. Auch und gerade dann, wenn die Welt gerade mal wieder am Untergehen ist. Trauer und Lachen schließen sich nicht aus und der Humor, der an Schreckensorten entsteht ist der, der am längsten überlebt. Das Leben ist schon ernst genug und die Tagesordnung sieht ein Lachen nicht vor, es wird ja immer wieder verboten. Und mancher Diktator weiß, dass das Lachen für ihre Schreckensherrschaft die größte Gefahr darstellt.
Das Gesicht am Johannes-Turm lacht uns zu. Und da Lachen ansteckend ist, lädt dieses Gesicht ein, herzhaft mitzulachen. Wir haben keinen Grund, uns dem zu verschließen! Wir dürfen sogar andere damit anstecken. Das ist Lebensqualität!
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Perspektiven öffnen

Eine auf den ersten Blick unverständliche Darstellung am Mose-Fries an der Autobahnkirche. Zwischen Mose und seiner Schwester Miriam findet sich eine Konstruktionszeichnung, in der auf der Fläche ein tiefer Raum aufgezogen wird. Möglich wird das durch die Konstruktion eines Fluchtpunktes, die die Malerei zur Zeit der Renaissance revolutioniert hat. Mit einem Fluchtpunkt erreicht man eine Perspektive und die Fläche bekommt räumliche Tiefe. Es ist der Versuch in der zweiten Dimension das darzustellen, was wir als dreidimensional wahrnehmen. Genau genommen ist es eine Sinnestäuschung. Mit der angeblichen Tiefe gewinnen wir eine neue Perspektive. Die vier Flächen um das Rechteck in der Mitte haben eine Funktion. Durch die leeren Trapeze, die Längs- und Querschraffur wird der Blick automatisch auf die Mitte gelenkt und zwar hinter die Mitte, die man nicht sieht, auf die Linien aber zulaufen. Der räumliche Eindruck wird verstärkt. Der Fluchtpunkt wird zum Fokus, an dem sich alles ausrichtet.
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