Gelehrter Teufel

Die Schlange ist ein klassisches Symbol, mit dem sich das Böse symbolisieren lässt. Auch in der Heiligen Schrift ist sie das Sinnbild für den Satan. Er ist das Böse, der Teufel. Und der Mensch steht immer wieder in der Gefahr, von ihm verführt zu werden.
An der Autobahnkirche finden wir immer Darstellungen von Schlangen. Meistens stehen sie für Satan. Und immer im Zusammenhang mit Bedrohungen für das menschliche Leben und Zusammenleben. An der Balustrade auf der Ostseite finden wir eine besondere Darstellung: Satan trägt einen Menschenkopf mit Halbglatze und Brille. Er gestikuliert wild vor sich hin. Ein Sinnbild für die Wissenschaftsgläubigkeit und die Verführbarkeit von uns modernen Menschen durch die Wissenschaft.
Der Gelehrte kann viel erzählen, er weiß alles und er ist vertrauenswürdig. Seine Ausstrahlung ist seriös, so jemandem nehmen wir alles ab, was er sagt. Er ist ja Wissenschaftler. Gerade in unseren durch die Medien geprägten Zeit ist es nicht nur wichtig, was gesagt wird, sondern vor allem wie es gesagt wird. Und je mehr Aufmerksamkeit einer Aussage gegeben wird, umso ernster wird sie genommen.
Wir sind verführbar und müssen immer wieder darauf achten, dass wir bei dem bleiben, was uns wichtig ist oder wovon wir überzeugt sind. 
Es ist nicht einfach, bei der ganzen Informationsflut die Spreu vom Weizen zu trennen und zu erahnen, was uns wirklich gut tut. Die Schlange steht als Mahnung im Hintergrund: »Ist das, was du jetzt gerade erfährst der Weisheit letzter Schluss oder nur ein weiterer Versuch, dich in die Irre zu führen?« Nicht alles, was gelehrt und seriös an uns herangetragen wird, ist auch wirklich hilfreich.
 
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Bilderwelt der Autobahnkirche
 
  

Perspektiven öffnen

Eine auf den ersten Blick unverständliche Darstellung am Mose-Fries an der Autobahnkirche. Zwischen Mose und seiner Schwester Miriam findet sich eine Konstruktionszeichnung, in der auf der Fläche ein tiefer Raum aufgezogen wird. Möglich wird das durch die Konstruktion eines Fluchtpunktes, die die Malerei zur Zeit der Renaissance revolutioniert hat. Mit einem Fluchtpunkt erreicht man eine Perspektive und die Fläche bekommt räumliche Tiefe. Es ist der Versuch in der zweiten Dimension das darzustellen, was wir als dreidimensional wahrnehmen. Genau genommen ist es eine Sinnestäuschung. Mit der angeblichen Tiefe gewinnen wir eine neue Perspektive. Die vier Flächen um das Rechteck in der Mitte haben eine Funktion. Durch die leeren Trapeze, die Längs- und Querschraffur wird der Blick automatisch auf die Mitte gelenkt und zwar hinter die Mitte, die man nicht sieht, auf die Linien aber zulaufen. Der räumliche Eindruck wird verstärkt. Der Fluchtpunkt wird zum Fokus, an dem sich alles ausrichtet.
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