Müder Botschafter

Jeder darf mal müde sein und wir brauchen Zeit, in der wir ausruhen können und ausruhen müssen. Das ist keine Frage. Wir wissen, wie gut und wichtig erholsamer Schlaf ist. Ohne einen guten Schlaf können wir nicht leisten, was tagtäglich von uns gefordert wird. In der Krypta der Autobahnkirche sind auch Schläfer dargestellt. Es handelt sich um die Jünger, die im Garten Getsemane schlafen, während Jesus mit seinem Schicksal und dem bevorstehenden Tod hadert.
Die Jünger schlafen immer wieder ein. Verschließen sie die Augen vor dem, was Jesus und ihnen bevorsteht? Sind sie geschafft vom Trubel, den sie in den letzten Tagen durchlebt haben? Oder einfach nur müde? Vielleicht von allem etwas. Sie schlafen, weil sie schlafen müssen. Sie haben ja auch eine gute Grundlage, ein gutes Kopfkissen, auf dem es sich gut schlafen lässt. Hier schläft einer auf dem Neuen Testament. Das ist sein Kopfkissen, das ihm einen guten Schlaf beschert.
Ist das guter Schlaf? Es kann ja sein, dass er auf diese Weise von der Botschaft träumt. Man erhofft sich ja von dem, was man unter das Kopfkissen legt, dass es in Fleisch und Blut übergeht. Lernen beim Schlafen, beim Träumen Neues erfahren! Das wäre schön. Nur ist das Neue Testament keine Traumbotschaft, sondern eine Botschaft, die die Welt aufwecken soll. 
Schlafen lässt sich auf ihr nicht. Wir sind aufgefordert, uns nicht auf der Frohen Botschaft auszuruhen, sondern sie wach und aktiv in die Welt hinauszutragen. Für den Schlaf finden sich andere Kissen, aber nicht die Botschaft. Und wir haben den Auftrag, uns diese Botschaft auch selbst immer wieder zu eigen zu machen. Auf keinen Fall können wir uns darauf ausruhen.
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Bilderwelt der Autobahnkirche
 
  

Perspektiven öffnen

Eine auf den ersten Blick unverständliche Darstellung am Mose-Fries an der Autobahnkirche. Zwischen Mose und seiner Schwester Miriam findet sich eine Konstruktionszeichnung, in der auf der Fläche ein tiefer Raum aufgezogen wird. Möglich wird das durch die Konstruktion eines Fluchtpunktes, die die Malerei zur Zeit der Renaissance revolutioniert hat. Mit einem Fluchtpunkt erreicht man eine Perspektive und die Fläche bekommt räumliche Tiefe. Es ist der Versuch in der zweiten Dimension das darzustellen, was wir als dreidimensional wahrnehmen. Genau genommen ist es eine Sinnestäuschung. Mit der angeblichen Tiefe gewinnen wir eine neue Perspektive. Die vier Flächen um das Rechteck in der Mitte haben eine Funktion. Durch die leeren Trapeze, die Längs- und Querschraffur wird der Blick automatisch auf die Mitte gelenkt und zwar hinter die Mitte, die man nicht sieht, auf die Linien aber zulaufen. Der räumliche Eindruck wird verstärkt. Der Fluchtpunkt wird zum Fokus, an dem sich alles ausrichtet.
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