Der gute Hirte

Es ist wohl eines der schönsten Bilder, mit denen wir Gott beschreiben können. Es ist an der Autobahnkirche auf der größeren der beiden Glocken abgebildet. Gott ist wie ein Hirte, der sich um die Schafe sorgt. Auch wenn es sich beim Hirten um ein eher männlich geprägtes Bild handelt, sind doch Eigenschaften von Männern und Frauen in diesem Bild vereinigt. Ein Hirte kümmert sich um die Schafe, eine Hirtin sucht nach den besten Weideplätzen, ein Hirte beschützt die Herde und führt sie durch Gefahren hindurch, eine Hirtin schaut nach dem Nachwuchs. Das Bild eines Hirten oder einer Hirtin ist eines, das Schutz und Geborgenheit ausstrahlt.
Der Hirte taucht im Psalm 23 auf. Gott wird als Hirte beschrieben, der für die Seinen sorgt. Jesus selbst bezeichnet sich als der gute Hirte, auf den seine Schafe fixiert sind und der sie nicht im Stich lässt. Und er redet von Gott als demjenigen, der auch ein verlorenes Schaf sucht und sich freut, wenn er es wiedergefunden hat. Dies könnte das Motiv sein, das auf der großen Glocke abgebildet ist. Der Hirte nimmt das wiedergefundene Schaf liebevoll auf seine Arme und schaut es freudig an.

Was bedeutet es, wenn der gute Hirte auf der Glocke abgebildet ist? Glocken sind zunächst dazu da, Menschen aufmerksam zu machen und aus ihrem Alltag »aufzuschrecken«. Die Glocken fordern zum Gebet auf und rufen zum Gottesdienst. Ihre wichtigste Aufgabe ist es aber, die Botschaft von Gott weithin hörbar zu machen. Das Bild von Gott als Hirten, der es gut meint mit seinen Schafen, ist gleichsam der Grundakkord für diese Botschaft, die hinausgetragen wird. Das ist der Klang dieser Glocke.
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Bilderwelt der Autobahnkirche
 
  

Perspektiven öffnen

Eine auf den ersten Blick unverständliche Darstellung am Mose-Fries an der Autobahnkirche. Zwischen Mose und seiner Schwester Miriam findet sich eine Konstruktionszeichnung, in der auf der Fläche ein tiefer Raum aufgezogen wird. Möglich wird das durch die Konstruktion eines Fluchtpunktes, die die Malerei zur Zeit der Renaissance revolutioniert hat. Mit einem Fluchtpunkt erreicht man eine Perspektive und die Fläche bekommt räumliche Tiefe. Es ist der Versuch in der zweiten Dimension das darzustellen, was wir als dreidimensional wahrnehmen. Genau genommen ist es eine Sinnestäuschung. Mit der angeblichen Tiefe gewinnen wir eine neue Perspektive. Die vier Flächen um das Rechteck in der Mitte haben eine Funktion. Durch die leeren Trapeze, die Längs- und Querschraffur wird der Blick automatisch auf die Mitte gelenkt und zwar hinter die Mitte, die man nicht sieht, auf die Linien aber zulaufen. Der räumliche Eindruck wird verstärkt. Der Fluchtpunkt wird zum Fokus, an dem sich alles ausrichtet.
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