Der Eckstein

Ein Stein, der einen Menschen erschlägt oder zumindest niederdrückt. Eines der eher gewalttätigen Bilder, die wir bei der Autobahnkirche finden. Dargestellt ist der Eckstein, der die Mächtigen zu Fall bringt. Dieses Bild ist Ausdruck der Hoffnung, die Herrschafts- und Besitzverhältnisse, die wir vorfinden, nicht für alle Zeiten festgeschrieben zu wissen. Hiermit wird die Sehnsucht ausgedrückt, dass Gott eingreifen möge, denn so, wie es in der Welt aussieht, kann es nicht weitergehen.

Die Dynamik zieht den Betrachter in den Bann. Der »geschliffene« Eckstein, der Stein mit Ecken und Kanten fällt mit der Spitze nach unten auf den Menschen. Dieser versucht zwar, seinem Unheil zu entkommen, aber er ist schon in der Position, dass er sich nur mehr kriechend entfernen könnte, was jetzt nicht mehr reicht. Auch der Schrei nach Hilfe verhallt ungehört und seine ausgestreckte Hand wird auch nicht ergriffen. Es ist keine Rettung da. Eingerahmt ist die Szene von einem Strahlenkranz.

Mich beschleicht ein ungutes Gefühl, denn ich frage mich: »Wem gilt dieses Urteil? Wer wird von dem Eckstein zermalmt?« Wenn ich mich danach sehne, dass Gott in das Weltgeschehen eingreifen möge, dann möchte ich nicht derjenige sein, über den das Urteil gefällt wird, sondern ich möchte auf der anderen Seite, der sicheren Seite stehen. So ist diese Szene für mich eine Erinnerung und Mahnung, der Gerechtigkeit Gottes Raum zu geben, auch wenn ich sie nicht begreifen und noch viel weniger verstehen kann. Mir bleibt die Hoffnung, dass dann alle gerettet werden und der vernichtende Stein niemanden treffen möge.
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Bilderwelt der Autobahnkirche
 
  

Perspektiven öffnen

Eine auf den ersten Blick unverständliche Darstellung am Mose-Fries an der Autobahnkirche. Zwischen Mose und seiner Schwester Miriam findet sich eine Konstruktionszeichnung, in der auf der Fläche ein tiefer Raum aufgezogen wird. Möglich wird das durch die Konstruktion eines Fluchtpunktes, die die Malerei zur Zeit der Renaissance revolutioniert hat. Mit einem Fluchtpunkt erreicht man eine Perspektive und die Fläche bekommt räumliche Tiefe. Es ist der Versuch in der zweiten Dimension das darzustellen, was wir als dreidimensional wahrnehmen. Genau genommen ist es eine Sinnestäuschung. Mit der angeblichen Tiefe gewinnen wir eine neue Perspektive. Die vier Flächen um das Rechteck in der Mitte haben eine Funktion. Durch die leeren Trapeze, die Längs- und Querschraffur wird der Blick automatisch auf die Mitte gelenkt und zwar hinter die Mitte, die man nicht sieht, auf die Linien aber zulaufen. Der räumliche Eindruck wird verstärkt. Der Fluchtpunkt wird zum Fokus, an dem sich alles ausrichtet.
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